Am vergangenen Wochenende wurde Ford Rallye-Weltmeister. Nach 36 Jahren tritt Sébastien Ogier in die Fußstapfen von Ari Vartanen und Björn Waldegård. Während der Franzose heute mit einem Ford Fiesta WRC unterwegs ist, ließen die Nordmänner noch das Heck des legendären Ford Escort tanzen.

Die Ursprünge von Ford im Rallye-Sport reichen zurück bis in die 1930er Jahre. Schon 1936 und 1938 gewannen mit dem Rumänen Ion Zamfirescu und dem Niederländer Gerard Bakker Schut zwei Ford-Piloten die Rallye Monte Carlo. Beide fuhren bei der bereits damals international viel beachteten Rallye im Ford V8 zum Sieg. In den 1950er und 1960er-Jahren setzte Ford die in Großbritannien entwickelten Ford Zephyr und Ford Cortina als Sportgerät ein.

Zielankunft 1936 in Monte Carlo Petre G. Cristea (links) und Ion Zamfirescu mit dem Ford V8
Zielankunft 1936 in Monte Carlo Petre G. Cristea (links) und Ion Zamfirescu mit dem Ford V8 – Foto unbekannt

Der Zephyr gewann erneut in Monte Carlo. Daneben siegte die von einem Sechszylinder angetriebene Limousine auch zweimal bei der „East African Safari“. Unterschiedlicher können Rallye-Wettbewerbe kaum sein! Auch die Ford Cortina sorgte mit Erfolgen bei der Safari (1964), der Akropolis (1968) und der RAC (1968) weltweit für Aufsehen. Geheimnis des Cortina-Erfolgs war wie auf der Rundstrecke der 1,6 Liter große Vierzylinder von Lotus.

Auf Zephyr und Cortina folgte der Ford Escort!

Mit dem 1968 präsentierten kompakten Hecktriebler schuf Ford ein bis heute prägendes Rallye-Auto. Besonders auf Schotter führte lange Jahre kein Weg am Escort vorbei. In den Händen ungezählter Piloten gewann der Ford Gescort weltweit mehr als 1.000 Rallyes. Erst das Aufkommen der Allrad-Fahrzeuge setzte dem Siegeszug des Escort auf der ganz großen Bühne ein Ende.

Trotzdem zählt der Escort bis heute bei regionalen und nationalen Veranstaltungen immer wieder zum Favoritenkreis auf den Gesamtsieg zählt. Ich erlebte das in den vergangenen Jahren mehrfach bei der Rallye Köln Ahrweiler, wo ich seit 2015 zum Kreis der Streckenkommentatoren gehöre. Wobei in der Eifel heute meist die zweite Escort-Generation zum Einsatz kommt.

Tony Chappell, 1968 im Ford Escort beim Rallyecross
Tony Chappell, 1968 im Ford Escort beim Rallycross

Darüber sollte niemand vergessen, dass auch der wegen seiner Frontpartie als „Hundeknochen“ bezeichnete erste Escort ein erfolgreiches Sportgerät war. Schon 1968 gewann Hannu Mikkola mit dem Escort TC die „1000-Seen Rallye“ in Finnland. Mit diesem Erfolg fuhr sich der damals 26 Jahre alte Finne endgültig in die Weltspitze. Zumal Mikkola seine Heimat-Rallye anschließend bis 1970 dreimal in Folge mit dem Ford Escort gewann.

Der Escort provozierte die Konkurrenz

Denn der Erfolg des Escort blieb auch der Konkurrenz nicht verborgen. Sie rüstete mit Fahrzeugen wie der Alpine A110, der Lancia Fulvia 1.6 HF oder dem BMW 2002 ti mächtig auf. Ford reagierte und schickte ab 1970 den Escort RS1600 auf die Rallye-Pisten. Dessen 1,6-Liter-Vierzylinder mit einem Vierventil-Zylinderkopf von Cosworth machte das Kürzel „BDA“ („Belt Drive A Series“) unsterblich.

In den Händen von Hannu Mikkola und Superstar Timo Mäkinen eilte der Ford Escort RS mit BDA-Motor fortan von Sieg zu Sieg. Wobei erneut die Bandbreite der Erfolge beeindruckt. Denn zwischen der Safari, der RAC-Rallye in Großbritannien und der 1000-Seen-Rallye liegen Welten. Hitze und Steppe in Afrika. Kälte und Nebel bei der RAC. Dazu das Vollgasfestival im hohen Norden. Das zeigt, wie vielfältig der Rallye-Sport ist. Und der Escort war überall konkurrenzfähig.

Ab 1975 setzte Ford auf den Ford Escort Mk. II

Am Erfolg änderte sich nur wenig. Zumal alle Spezialteile, die im Laufe der Zeit für den Gescort entstanden waren, ohne Probleme auch in den Mk II paßten. Formal im Sinne des Sportrechts war der Mk. II nur eine Karosserievariante des ersten Ford Escort. Timo Mäkinen gewann im Herbst 1975 mit dem Escort Mk II in Großbritannien seine letzte WM-Rallye. Und in der Sportkommission FISA reifte langsam die Idee, auch auf WM-Ebene einen Fahrertitel auszuschreiben.

Denn anders als auf europäischer Ebene, wo es seit 1953 einen Fahrertitel gibt, ging es in der 1973 gegründeten WM zunächst nur um den Markentitel. Die Marken-Titel gewannen mit Renault Alpine (1973), Lancia (1974, 1975, 1976), Fiat (1977 und 1978) andere. Ford wurde 1977 und 1978 Zweiter. Dazu sicherte sich Ford 1973, 1974 und 1976 den dritten Platz. Doch die Verantwortlichen bei Ford wussten, dass der Fahrertitel die Aufmerksamkeit für den Rallye-Sport steigert.

Legendär ihre Kreativität bei der Homologation. Denn das Einsatzgerät Escort RS stand zwar in Großbritannien in den Preislisten, wurde jedoch tatsächlich gar nicht gebaut. Kein Escort verließ tatsächlich mit einer schraubengefederten Hinterachse mit Längslenkern und Panhardstab, mit hinteren Scheibenbremsen und einem Zwei-Liter-Motor mit Einspritzanlage und Trockensumpfschmierung sowie ZF-Fünfganggetriebe das Werk. Stattdessen bot Ford Kits zur Umrüstung bestehender Fahrzeuge an.

1979 führt kein Weg am Escort vorbei!

Denn der Escort war das stärkste Auto im Feld. Der BDA leistete mit zwei Litern Hubraum bis zu 270 PS bei 7.000 Umdrehungen pro Minuten. Hannu Mikkola gewann 1979 die Schotter-Läufe in Portugal, Neuseeland und England. Björn Waldegård siegte in Griechenland sowie Kanada. Dazu fuhr der Schwede in Monte Carlo, Schweden und Portugal auf den zweiten Platz. In Finnland sicherte sich Waldegård zudem Platz drei.

Ari Vatanen 1978 mit dem Ford Escort bei der 1000-Seen-Rallye
Ari Vatanen 1978 mit dem Ford Escort bei der 1000-Seen-Rallye – Foto Jarmo Mäki

Mikkola fiel dagegen in Griechenland und Finnland aus. Neben seinen Siegen brachte der Finne „nur“ noch die fünften Plätze aus Monte Carlo und Schweden in die Wertung ein. Vor dem Saisonfinale an der Elfenbeinküste stand es damit 97 zu 91 für Waldegård. Wobei ein mögliches Streichresultat den Vorsprung des Schweden auf wackeligen Beinen stehen lies. Ford verzichtete auf einen Start an der Elfenbeinküste, da dieser Lauf nicht zur Markenwertung zählte.

Sportlich, dass Ford beiden Piloten den Start in Afrika mit einem anderen Fabrikat gestattete. Im Mercedes-Benz 450 SLC fanden sowohl Mikkola als auch Waldegård das passende Einsatzgerät. Hannu Mikkola gewann die schwere Afrika-Rallye. Doch Björn Waldegård fuhr im Schatten des Finnen auf den zweiten Platz. Damit stand es in der WM 112:111 für den Schweden. Weshalb Björn Waldegård sich 1979 als erster Rallye-Weltmeister in den Geschichtsbüchern des Motorsports verewigte.

Offiziell zog sich Ford daraufhin aus der Rallye-WM zurück. An den Start ging das stattdessen das private Rothmans Rally Team. Trotzdem gewann mit Ari Vatanen 1981 erneut ein Ford-Fahrer der WM-Titel. Auf dem heißen Sitz saß dabei David Richards, heute Prodrive-Chef und Mitbesitzer von Aston Martin. Doch alle wußten, dass die Zukunft den aufkommenden Allradler gehört. Ab 1982 setzte mit David Sutton Motorsport „nur“ noch ein Privatteam den Escort in der WM ein. So dauerte bis 2017, um wieder einen Ford-Fahrer als Rallye-Weltmeister zu feiern.

Die wichtigsten Rallye-Erfolge des Ford Escort im Überblick:

1968

  • Tulpenrallye, Roger Clark / Jim Porter, Escort TC
  • Rallye Österreich, Bengt Söderström / Gunnar Palm, Escort TC
  • Akropolis-Rallye, Roger Clark / Jim Porter, Escort TC
  • Rallye Finnland, Hannu Mikkola / Anssi Järvi, Escort TC

1969

  • Tulpenrallye, Gilbert Staepelaere / André Aerts, Escort TC
  • Rallye Österreich, Hannu Mikkola / Anssi Järvi, Escort TC
  • Rallye Finnland, Hannu Mikkola / Anssi Järvi, Escort TC

1970

  • London-Mexico, Hannu Mikkola / Gunnar Palm, Escort Mexico
  • Rallye Finnland, Hannu Mikkola / Gunnar Palm, Escort TC

1972

  • Rallye Hongkong, Timo Mäkinen / Henry Liddon, Escort RS1600
  • Rallye Safari, Hannu Mikkola / Gunnar Palm, Escort RS1600
  • RAC Rallye, Roger Clark / Tony Mason, Escort RS1600

1973

  • Rallye Neuseeland, Hannu Mikkola / Arne Hertz, Escort RS1600
  • Rallye Finnland, Timo Mäkinen / Henry Liddon, Escort RS1600
  • RAC Rallye, Timo Mäkinen / Henry Liddon, Escort RS1600

1974

  • Rallye Finnland, Hannu Mikkola / John Davenport, Escort RS1600
  • RAC Rallye, Timo Mäkinen / Henry Liddon, Escort RS1600

1975

  • RAC Rallye, Timo Mäkinen / Henry Liddon, Escort RS1800

1976

  • Südafrika-Rallye, Timo Mäkinen / Henry Liddon, Escort RS1800
  • RAC Rallye, Roger Clark / Stuart Pegg, Escort RS1800

1977

  • Rallye Safari, Björn Waldegård / Hans Thorszelius, Escort RS1800
  • Akropolis-Rallye, Björn Waldegård / Hans Thorszelius, Escort RS1800
  • Rallye Finnland, Kyosti Hamalainen / Martti Tiukkanen, Escort RS1800
  • RAC Rallye, Björn Waldegård / Hans Thorszelius, Escort RS1800

1978

  • Rallye Schweden, Björn Waldegård / Hans Thorszelius, Escort RS1800
  • RAC Rallye, Hannu Mikkola / Arne Hertz, Escort RS1800

1979

  • Rallye Portugal, Hannu Mikkola / Arne Hertz, Escort RS1800
  • Akropolis-Rallye, Björn Waldegård / Hans Thorszelius, Escort RS1800
  • Rallye Neuseeland, Hannu Mikkola / Arne Hertz, Escort RS1800
  • Rallye Quebec , Björn Waldegård / Hans Thorszelius, Escort RS1800
  • RAC Rallye, Hannu Mikkola / Arne Hertz, Escort RS1800

Ford gewinnt die Markenmeisterschaft, Björn Waldegård wird Rallye-Weltmeister. Hannu Mikkola wird Vize-Weltmeister.

1980

  • Akropolis-Rallye, Ari Vatanen / David Richards, Escort RS1800

1981

  • Akropolis-Rallye, Ari Vatanen / David Richards, Escort RS1800
  • Rallye Brasilien, Ari Vatanen / David Richards, Escort RS1800
  • Rallye Finnland, Ari Vatanen / David Richards, Escort RS1800

Ari Vatanen wird Rallye-Weltmeister.


Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:
Ford Escort RS 1800

Platz vier für Kleinwächter / Baehr im Ford Eswcort RS 1800.
 


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