Der Skoda 130 RS gehört bis heute zu den erfolgreichsten Tourenwagen der Welt. Vor 40 Jahren bestritt das Coupé seine ersten Rennen. Den Höhepunkt seiner Karriere feierte der oft als „Porsche des Ostens“ bezeichnete Rennwagen 1981 mit dem Gewinn der Tourenwagen Europameisterschaft.

Mit dem Erfolg sorgte Skoda für einen Paukenschlag. Denn der Titelgewinn war in der Autowelt des Jahres 1981 mit jeder Menge Prestige verbunden. Schließlich gehörte ein Engagement in der Tourenwagen Europameisterschaft seit den 1960er-Jahren bei vielen Autobauern zum guten Ton. Piloten wie Jack Ickx, Jochen Mass oder Hans Heyer gewannen in der European Touring Car Championship (ETCC) ihre ersten internationalen Titel im Auto.

Zudem schickten die Sportabteilungen der Autobauer regelmäßig eine ganze Armada in den Kampf, um sich den Markentitel in der Tourenwagen Europameisterschaft zu sichern. Legendär die Materialschlachten zwischen BMW, Ford und Alfa Romeo Anfang der 1970er-Jahre. Die Hersteller heuerten im Kampf um den Titel schon mal ein halbes Formel-1-Starterfeld an, um es mit ihren Tourenwagen ins Rennen zu schicken. Doch Mitte der 1970er-Jahre erlahmte das Interesse etwas. Die Ölkrise zeigte Wirkung. Dazu stiegen infolge des harten Konkurrenzkampfes die Kosten stark an.

Ford zog sich Ende 1974 sogar trotz des Titelgewinns zurück. Für die Verlierer rechnete sich das Engagement noch weniger. Zumal die hohen Fahrzeugkosten die Privatiers zunehmend überforderten. Ein wesentlicher Kostentreiber war die in der Gruppe 2 damals mögliche sogenannte Zehnprozent-Homologation. Dank ihr mussten „nur“ 100 der 1.000 gebauten Straßenfahrzeuge über spezielle Motorsportteile verfügen, um diese Teile im Rennen einsetzen zu können.

Ford nutzte die Regel, um den Ford Capri RS3100 oder den Ford Escort BDA mit Formel-2-Motor auf die Strecke zu bringen. BMW antworte mit dem BMW 3.0 CSL und einen BMW 2002 mit Formel-2-Zylinderkopf. Und auch Alfa Romeo und Opel nutzte die Regel beim Alfa Romeo 2000 GTAm oder Opel Commodore GS 2800. Alles Autos, die bis heute bei vielen Tourenwagen-Fans für ein Leuchten in den Augen sorgen.

Die Fédération Internationale du Sport Automobile (FISA) setze daher auf einen Neustart. Zur Saison 1976 änderte die FISA die Homologations- und Technikvorschriften der in der Tourenwagen Europameisterschaft eingesetzten Rennwagen. Die Möglichkeit der Zehnprozent-Homologation entfiel. Dazu verbot die FISA – zumindest vorübergehend – auch den Einbau einer Trockensumpfschmierung.

In Mladá Boleslav entsteht der Skoda 130 RS

Auch bei Skoda gab es Mitte der 1970er-Jahre eine Motorsportabteilung und das Interesse an sportlichen Fahrzeugen. Schon 1971 zeigte Skoda mit dem Skoda 110 Super Sport eine aufregende Sportwagenstudie. Das Rallye-Werksteam trat mit dem Skoda 120 S regelmäßig bei internationalen Rallye-Wettbewerben an. Dazu gab es in der Serie das Sportcoupe Skoda 110R.

1974 baute die Motorsportabteilung drei Exemplare des Skoda 200 RS. Bei diesen Prototypen verwendeten die Tschechen erstmals die Zusatzbezeichnung „RS“ als Kürzel für „Rallye Sport“. Doch im realexistierenden Sozialismus war der Skoda 200 RS nicht durchsetzbar. Der Bau von 1.000 Exemplare erschien den Technikern unmöglich. Und so konstruierten die Techniker stattdessen den Skoda 130 RS.

Grundlage war das Serienmodell Skoda 110 R. Es spendete dem Sportgerät das Skelett. Zur Gewichtsreduzierung kam beim Dach, der Fronthaube und der Außenhaut der Türen des 130 RS Aluminium statt Stahl wie beim 110 R zum Einsatz. Die Kotflügel und die Motorhaube fertigte Skoda aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Vorderachse übernahmen die Techniker 1:1 vom 200 RS.

Den 1,3-Liter-Vierzylinder bestückte Skoda mit zwei Weber-Doppelvergasern und einem Achtkanal-Zylinderkopf. Zylinder- und Kurbelgehäuse bestanden aus Aluminium, der Zylinderkopf aus Grauguss. 140 PS standen zur Verfügung. Damit war der Skoda 130 RS bis zu 220 Kilometer pro Stunde schnell. Auch wenn die Abschaffung der Zehnprozent-Homologation den Einsatz eines Fünfganggetriebes verhinderte.

1975 tauchten die ersten Skoda 130 RS in der Tourenwagen Europameisterschaft auf. Beim Heimspiel in Brün – auf dem großartigen Straßenkurs – fuhren Milan Zid und Oldrich Horsák mit dem 130 RS auf einen vierten Platz in der Gesamtwertung. Doch das Haupteinsatzgebiet des RS blieb zunächst der Rallye-Sport. 1977 fuhr Skoda mit dem 130 RS in der Klasse bis 1.300 ccm zum Doppelsieg bei der Rallye Monte Carlo. Das gleiche Ergebnis gelang ein Jahr später bei der Rallye Schweden.

Parallel dazu intensivierten die Tschechen auch den Einsatz in der Tourenwagen Europameisterschaft. 1977 schrieb sich Skoda erstmals in der Herstellerwertung ein. Ab 1978 bestritt das Werksteam „Auto Skoda Mladá Boleslav“ dann auch EM-Rennen im Westen. 1980 sprang hinter Audi bereits der zweite Platz in der Herstellerwertung heraus. Ein Jahr später verbesserte sich Skoda sogar auf den ersten Platz.

Technische Daten des Skoda 130 RS

Hubraum 1289 cm3
Bohrung x Hub 75,5 x 72 mm
Motorleistung bis zu 140 PS bei 8000/min
Wassergekühlter Vierzylinder-Ottomotor mit OHV-Ventilsteuerung, längs hinter der Hinterachse angeordnet, zwei Doppelvergaser Weber 40 DCOE, Einscheiben-Trockenkupplung, Vierganggetriebe, selbsthemmendes Differential, Heckantrieb
Reifen 165-13 bis 215/50-13
Länge 4020 mm
Breite 1720 mm
Höhe 1340 mm
Radstand 2400 mm
Spurbreite vorne/hinten 1410/1366 mm
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h

 

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Ob Rundstrecke (links) oder Rallye (rechts), der Škoda 130 RS war zu seiner Zeit ein echtes Sportgerät.

Foto: Škoda


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