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Kaiser Darrin – der geheimnisvolle Sportwagen aus The Man in the High Castle

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Bei Amazon Prime gibt es seit dem Jahreswechsel die zweite Staffel von The Man in the High Castle. Beim Gucken der Serie fiel mir ein ungewöhnlicher Sportwagen mit Schiebetüren auf. Ich frage mich, was ist das? Nach etwas Suchen fand ich die Antwort: Es ist ein Kaiser Darrin.

Die zweite Staffel der Serie The Man in the High Castle spielt teilweise auch in Berlin. Dort wird Joe Blake, in der ersten Staffel eine der Hauptpersonen dieser Alternativweltgeschichte, als Held gefeiert. In Berlin lernt Blake, gespielt von Luke Kleintank, zahlreiche Kinder von Nazi-Größen kennen. Wie in vielen Diktaturen leben diese ein ausschweifendes Leben im Schatten ihrer einflußreichen Eltern.

Joe Blake lernt die Berliner-Subkultur der Nazi-Kinder an der Seite der von Bella Heathcote gespielten Figur Nicole Becker kennen. Becker bewegt Blake mit dem Spruch „Komm mit, jetzt erlebst Du mal ne’ richtige Berliner Party“ nach einem offiziellen Empfang zum Einsteigen in ihren Sportwagen. Und ich fragte mich, was ist das? Denn ich konnte mich nicht erinnern, schon mal einen Sportwagen mit Schiebetüren gesehen zu haben.

Sportwagen mit Schiebetüren – Kaiser Darrin von 1953/54

Tatsächlich waren diese Türen der Schlüssel zur Identifikation des Sportwagens von Nicole Becker in The Man in the High Castle. Es ist ein Kaiser Darrin – ein Sportwagen von Kaiser Motors aus Willow Run in Michigan. Der Autobauer stellte den Sportwagen am 22. Februar 1953 auf der New York Auto Show erstmals der Öffentlichkeit vor. Bei der Premiere kündigte Kaiser den Marktstart für Herbst des gleichen Jahres an.

Designer Howard A. Darrin entwarf den gut 4,70 Meter langen Sportwagen auf Grundlage des für US-Verhältnisse kompakten Henry J von Kaiser Motors. Wie beim Henry J kommt auch im Kaiser Darrin der „Hurricane-6-Motor“ von Willys-Overland zum Einsatz. Als eines der ersten Fahrzeuge überhaupt verfügte der Kaiser Darrin über eine Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Ein paar Jahre später wählt Daimler in Großbritannien beim Daimler SP250 eine ähnliche Bauweise.

Sechszylinder vom Jeep

Der Sechszylinder aus dem Jeep stellt jedoch auch im Kaiser Darrin nur moderate 90 PS zur Verfügung. Die Leistung des 2.639 ccm großen Reihenmotors fließt über ein manuelles Dreiganggetriebe und die Hinterräder auf die Straße. Trotz eines Leergewichts von nur 987 Kilogramm sind die Fahrleistungen bescheiden. Ähnlich wie die zunächst auch nur 110 PS starke Corvette C1 überzeugt der Sportler hauptsächlich optisch.

Kaiser Darrin mit geöffneter Tür (Foto: Dennis Elzinga – CC2.0)

Die Pontonform des Roadsters orientierte sich ganz am Stil der Zeit. Dazu fand Darrin einige ungewöhnliche Lösungen. Absolutes Highlight des Sportwagens sind sicherlich seine Schiebetüren. Eine Spezialität von Howard A. Darrin, der solche Türen bereits 1922 erstmals vorstellte. Im Sportwagen Kaiser Darrin lassen sich die Türen zum Öffnen in die vorderen Kotflügel einfahren und verfügen über keine Fenster.

Markant ist auch der Kühlergrill des Sportwagens. Die ungewöhnlich kleine Luftöffnung erinnert in ihrer Form an ein Tortenstück. Eine Innovation ist auch das Blechdach. Denn es verfügt über drei Positionen – was den Sportwagen genauso Coupé, wie Landaulet und Roadster sein lässt. Was in der Serie The Man in the High Castle jedoch nicht zu sehen ist. Denn die blonde Nicole Becker fährt ihren Kaiser Darrin ausschließlich offen.

3.668 US-$ kostet der Sportwagen 1954

Bei der Premiere kündigt Kaiser Motors die Auslieferung des Sportwagens ab Herbst 1953 an. Doch Probleme bei der Produktion verzögern die Auslieferung. Erst Anfang 1954 steht der Sportwagen zu einem Preis von 3.668 US-$ (heutiger Wert 33.500 US-$) tatsächlich bei den Händlern. Etwa zeitgleich senkt Volkswagen den Preis des Käfers in den USA von 1.643 US-$ auf 1.495 US-$ ab.

Kaiser Motors plant einen Absatz von 1.000 Sportwagen pro Jahr, schließlich sind Sportwagen 1953/54 in den USA gerade ziemlich angesagt. Trotzdem fällt der Kaiser Darrin beim Publikum durch. Die Höchstgeschwindigkeit liegt gerade einmal bei 153 Kilometern pro Stunde. Das ist selbst in den USA wenig. Den Sprint auf 60 Meilen (97 km/h) bewältigt der Amerikaner in rund 15 Sekunden.

Das liegt auf dem Niveau der etwas schwereren Corvette und reicht nur, um den MG TF abzuhängen. Sportwagen wie die Alfa Romeo Giulietta Spider oder der Triumph TR2 sind agiler. Zudem legt der Kaiser Darrin eine ausgeprägte Neigung zum Untersteuern an den Tag. Dazu hat Kaiser Motors inzwischen Motorenlieferant Willys-Overland aufgekauft. Das engt den finanziellen Spielraum des Unternehmens ein.

Gleichzeitig berichten die Händler, dass der Sportwagen selbst mit einem Nachlass von 700 US-$ keine Kunden findet. Kaiser Motors reagiert unverzüglich und stellt bereits im August 1954 die Produktion des Sportwagens ein. Neben sechs Prototypen sind zu diesem Zeitpunkt nur 435 Kaiser Motors entstanden. Viele davon stehen unverkauft auf Halde oder bei den Händlern.

Howard A. Darrin übernimmt

Bereits im Winter 1953/54 beschädigt ein Schneesturm 50 GFK-Karosserien, die Kaiser Motors als unverkäuflich abschreibt. Kaiser Motors verkauft sie an Howard A. Darrin. Parallel dazu kauft der Designer auch unverkäufliche Fahrzeuge von Händlern auf und steigt damit ab 1955 selbst zum Sportwagen-Hersteller auf. In Santa Monica arbeitet Darrin die Fahrzeuge auf und baut die Karosserien teilweise zum Coupé um.

Ein zum Coupé umgebauter Darrin Special (Foto Infrogmation – GNU Free)

Zudem weiß der Designer, dass der Motor einen großen Anteil am Misserfolg des Kaiser Darrin hat. Auf Wunsch bestückt Darrin den Sportwagen daher auch mit dem V8 des Cadillac Eldorado. Statt 90 PS verfügt der nach dem Umbau 4.350 US-$ teure Darrin Special damit über 270 PS Leistung. Endlich können die Fahrleistungen mit dem Aussehen mithalten, zumal es später auch Versionen mit bis zu 335 PS gibt.

Die Spitzengeschwindigkeit des Sportwagens liegt bei 233 Kilometern pro Stunde. Lance Reventlow, Sohn von Woolworth-Erbin Barbara Hutton, tritt mit dem Darrin Special bei Sportwagenrennen des SCCA an. Das sorgt, genauso wie der Verkaufsraum von Darrin Automotive Design in Hollywood, für Aufmerksamkeit.

Nach gut zwei Jahren ist 1957 der Vorrat der aufgekauften Kaiser Darrin erschöpft. Wobei es teilweise Zweifel an der Gesichte gibt. Denn heute sind wohl noch rund 300 Kaiser Darrin erhalten. Fast alle bekannten Fahrzeuge sind Sechszylinder-Modelle. Exemplare mit dem V8-Motor gibt es praktisch nicht. Wer sich heute einen Kaiser Darrin zulegen möchte, benötigt übrigens – je nach Zustand – bis zu 200.000 US-$, wie die US-Handelsplattform Hagerty auf ihrer Webseite ausweist.

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