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27. Juli 1990 – das Ende des Citroën 2CV, in Portugal läuft die letzte „Ente“ vom Band

Citroën 2CV

Heute vor 24 Jahren, am 27. Juli 1990, lief der letzte Citroën 2CV vom Band. Damit endete im portugiesischen Mangualde eine Autogeschichte, die 1934 mit einem klaren Auftrag von Citroën-Direktor Pierre-Jules Boulanger begann:

„Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht. Außerdem soll es selbst schlechteste Wegstrecken bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt. Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, sodass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Und schließlich muss das neue Auto wesentlich billiger sein als unser ‚Traction Avant‘. Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an.“

Konstrukteur André Lefèbvre machte sich an die Arbeit. 1939 waren 250 wassergekühlte Prototypen des „Toute Petite Voiture“ („ganz kleines Auto“) fertiggestellt. Während des Zweiten Weltkriegs versteckte Citroën die TPV vor den deutschen Besatzern. Offensichtlich gründlich, denn noch 1994 fanden sich in einer Scheune drei zuvor vergessene Exemplare wieder. Nach Kriegsende nahm Citroën die Arbeiten am Fahrzeug wieder auf. Das Ergebnis stellte Citroën am 7. Oktober 1948 in Paris als Citroën 2CV der Öffentlichkeit vor. Zunächst belächelt fand die „Ente“ schließlich satte 41 Jahre lang ihre Kunden.

Danach sah es zum Beginn nicht aus!

Das einfache Design und der inzwischen luftgekühlte Motor sorgten für Spott. Von der die satirische Wochenzeitung Le Canard enchaîné ist das Zitat „Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen“ überliefert. Bei der Vorstellung verfügte Citroën gar nicht über die notwendigen Produktionsanlagen. Die raren Rohstoffe erhielt bevorzugt das Staatsunternehmen Renault. Erst im Juli 1949 startete die Produktion des 2CV. Die ersten Fahrzeuge gingen bevorzugt an Bauern und andere Gewerbetreibende.

Mit ihrer einfachen Technik gilt die „Ente“, wie der 2CV in Deutschland bald heißt, schnell als Anti-Statussymbol. In den 1960- und 1970er-Jahren wird sie zum Ausdruck einer nonkonformistischen und konsumkritischen Lebenshaltung. Geringe Unterhaltskosten machen sie zum typischen Studentenauto. Schon 1967 gibt es erstmals Pläne zur Einstellung der Produktion. Doch „Nachfolger“ Dyane, Citroën LN und Visa waren beim Produktionsende der Ente längst eingestellt.

Citroën verstand es, mit geschicktem Marketing das Leben des 2CV in die Länge zu ziehen. Ab 1980 gab es zahlreiche Sondermodelle. „Charleston“, „Dolly“ oder „I fly bleifrei“ machten die „Ente“ auf ihre alten Tage zum Lifestyle-Artikel. Doch wer ehrlich war wußte, dass der Citroën 2CV längst hoffnungslos veraltet war. Verbrauch, Geräuschentwicklung, Abgasverhalten, Unfallsicherheit – in keiner Kategorie entsprach die „Ente“ noch dem Stand der Technik.

Der Abschied des Citroën 2VC war ein Abschied auf Raten

In immer mehr Ländern verweigerten die Behörden dem 2CV wegen geänderter Abgasnormen die Neuzulassung. Während in Spitzenzeiten rund 150.000 Citroën 2CV pro Jahr Absatz fanden, waren es jetzt „nur“ noch rund 20.000 Exemplare. Besonders die Deutschen und die Briten erwiesen sich als treue Kunden. 1988 lief die Produktion im französischen Levallois aus. Zwei Jahre länger lief die „Ente“ noch im Citroën-Werk Mangualde in Portugal vom Band. Am 27. Juli 1990, Deutschland hatte kurz zuvor gegen Argentinien den Fußball-WM-Titel gewonnen, endete das Kapitel Citroën 2CV.

 


Citroën 2CVInfos zum Titelbild:
Citroën 2CV
Der Citroën 2CV, in Deutschland meist als Ente bezeichnet, wurde besonders in den 1960er und 1970er Jahren oft zum Ausdruck nonkonformistischen Lebensformen. (Foto: Citroën)
 

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