Mercedes-Benz CLA im Test
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CLA oder was heißt heute noch Coupé

Mercedes wird im kommenden Jahr mit dem CLA ein viertüriges Coupé auf Basis der neuen A-Klasse offiziell vorstellen. Ein erster Blick auf die Serienversion wird – zumindest für ausgewählte Händler und Journalisten – bereits Mitte Januar im Vorfeld der Detroit-Motorshow möglich sein. Als in der vergangenen Woche unter uns Auto-Bloggern die Idee entstand, am ersten Weihnachtstag dieses neue Modell gemeinsam zu würdigen, war für mich schnell klar, dass ich mich mit der Coupé-Geschichte des Hauses Mercedes beschäftigten würde.

Denn die wichtigsten Daten zum CLA als neuen Einstiegercoupé des Hauses sind längst kein Geheimnis mehr. Das Grundmodell des CLA soll im Frühjahr zum Einstandspreis von weniger als 30.000 € mit einem 211 PS starken Turbo-Benziner zu kaufen sein. Später, so lies Mercedes bereits verlauten, soll es dann auch eine 272 PS-Version sowie eine mit 354 PS noch sportivere AMG-Version des Coupés geben. Klingt alles spannend und wird mit Sicherheit für mehr als nur ordentliche Fahrleistungen sorgen. Trotzdem überlasse ich es im Moment gern anderen Bloggern, sich mit den Motoren, dem Design oder auch dem Entertainment des CLA zu beschäftigen. Damit warte ich, bis ich den CLA selbst live in Augenschein nehmen kann.

Als Betreiber eines Blogs, dessen Wurzeln im Oldtimer-Bereich liegen, interessiert mich, welche Ahnen der CLA in der umfangreichen Mercedes-Familie eigentlich hat. Statt einer Vorschau wähle ich den Rückblick. Die Mercedes-Familie ist ja inzwischen mit einer zweistelligen Anzahl unterschiedlicher Fahrzeugreihen ziemlich breit aufgestellt. Blick man einmal zurück in das Jahr 1975, so ist das eine gewaltige Veränderung. Denn damals konnte man bei Mercedes gerade einmal zwischen drei unterschiedlichen Baureihen wählen. Wobei das streng genommen das mit der Wahl immer so eine Sache war. Weil ein Mercedes Mitte der 1970er-Jahre eher verteilt als verkauft wurde.

Dazu trug auch bei, dass man seinen Sternenkreuzer nicht einfach beim Autohändler um die Ecke kaufte, sondern in der Niederlassung bestellte. Selbstständige Mercedes-Händler in der Provinz waren zu dieser Zeit mehr Vermittler als Händler. Dank meines Großvaters, der damals bereits rund 40 Jahre überzeugter Mercedes-Kunde war und in der lokalen Niederlassung regelmäßig geschäftlich zu tun hatte, hatte ich viele Gelegenheiten mir dort die ausgestellten Autos anzusehen. Mit der Zeit entwickelte sich die Niederlassung zu so etwas wie einem Autoparadies.

Als mein Großvater mich das erste Mal mit dorthin in den großzügigen Ausstellungsraum nahm, stand dort noch das wegen seines Erscheinungsjahrs 1968 als „Strich-Acht“ bezeichnete damalige Volumenmodell der Stuttgarter. Denn vom „Strich-Acht“ wurden von 1968 bis 1976 mit rund zwei Millionen Exemplaren ungefähr so viele Mercedes gebaut, wie zuvor seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs insgesamt die Werke des Herstellers verlassen hatten. Wer es etwas sportlicher wünschte, dem wurde mit dem SL der Baureihe 107 geholfen. Und für die echten Direktoren gab es dann noch die als „S-Klasse“ bekannten Modelle der Baureihe W116. Damals übrigens das einzige Modell der Marke, das nicht als Coupé verfügbar war. Denn sowohl vom „Strich-Acht“ als auch dem SL gab es mit dem schlicht C genannten Coupé und dem SLC einen prestigeträchtigen Ableger.

Lamellen am SLC

Die Lamellen am SLC haben wir als Kind immer besonders gefallen. (Foto: ChiemseeMan)

Bei unseren Besuchen in der Niederlassung sprangen für mich immer die neusten Mercedes-Prospekte heraus, die ich anschließend in meinem Kinderzimmer wie Schätze verwahrte. Mein absoluter Favorit war damals übrigens der SLC. Faszinierend fand ich die Lamellen am hinteren Seitenfenster. Mit diesem Trick, der die Teilung der hinteren Scheibe kaschierte, sorgte man dafür, dass sich zumindest die vordere Scheibe vollständig versenken lies. Mit einer durchgängigen hinteren Scheibe wäre dies, was für alle Mercedes-Coupés als typisch galt, allenfalls mit einem sehr komplizierten Mechanismus möglich gewesen. Als Mercedes dann mit dem SLC 1977 auch noch ein Comeback im Motorsport anstrebte, war der SLC endgültig mein Traumwagen. Dabei bliebt es selbst, als das Rallye-Projekt Ende 1980 eingestellt wurde und der für 1981 verpflichtete Rallye-Weltmeister Walter Röhrl ein Jahr bezahlten Urlaub machen konnte.

SLC im Rallye-Einsatz

Das spätere Siegerteam Hannu Mikkola / Arne Hertz 1979 mit einem Mercedes-Benz 450 SLC 5.0 bei der Bandama Rallye, Elfenbeinküste (Foto: Mercedes-Benz)

Damals war mir gar nicht bewusst, dass der SLC bei Mercedes eine lange Coupé-Tradition fortsetzte. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg bot man mit dem Mercedes-Benz Typ 230 SV der Baureihe W153 eine zweitürige Sport-Limousine mit Fließheck für den sportlichen Selbstfahrer an. Als sich die deutsche Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg erholte und das Wirtschaftswunder Realität wurde, hatte man ebenfalls schnell die passenden Fahrzeuge in den Preislisten. In einem Rundschreiben der Verkaufsleitung hieß es 1953 dazu, dass man sich zum Bau von Coupés entschieden habe, weil einzelne prominente Persönlichkeiten wiederholt auf solche Fahrzeug gedrängt hätten.

Entsprechend exklusiv war ein Coupé von Mercedes-Benz

Das vom Limousinen-Modell 300 abgeleitete 300 S Coupé (W 188 – Juni 1952 bis Juli 1957) der Oberklasse baute man nur 314-mal. Vom ebenfalls der Oberklasse zuzuordnenden Mercedes-Benz 220 Coupé (W187 – Dezember 1953 bis Mai 1955) entstanden sogar weniger als 100 Exemplare. Auch in den folgenden Jahren blieben die Coupés des Hauses in der Oberklasse zu Hause. Entsprechend überschaubar blieben die Stückzahlen. Vom Coupé auf Basis des großen Ponton-Mercedes (W 180 II/W 128 – Oktober 1956 bis November 1960) verkaufte man 2.081 Exemplare, vom Coupé auf Basis des Spitzenmodells Mercedes-Benz 300 SE (W 112 Februar 1962 bis Dezember 1967) fanden auch „nur“ 2.419 Stück einen Käufer.

Die Coupé-Geschichte in dire Akten (von vorn nach hinten): Die Mercedes-Benz Typen 320n Kombinations-Coupé (Baureihe 142, 1937 bis 1942), 300 Sc Coupé (Baureihe 188, 1955 bis 1958) und 280 SE 3,5 Coupé (Baureihe 108, 1971 bis 1972).

Die Coupé-Geschichte in drei Akten (von vorn nach hinten): Die Mercedes-Benz Typen 320n Kombinations-Coupé (Baureihe 142, 1937 bis 1942), 300 Sc Coupé (Baureihe 188, 1955 bis 1958) und 280 SE 3,5 Coupé (Baureihe 108, 1971 bis 1972) – Foto: Mercedes-Benz

All diese Zahlen zeigen, wie exklusiv ein Coupé von Mercedes-Benz in den 1950er und 1960er-Jahren war. Erst das Coupé der Baureihe W 111, das vom Februar 1961 bis Mai 1971 immerhin schon 28.918 Kunden fand, änderte daran langsam etwas. Ihm folgte 1969 das Coupé des „Strich-Acht“, von dem man bis 1976 nun schon fast 36.000 Exemplare verkaufen konnte. Der als Nachfolger der Oberklasse-Coupés angebotene SLC fand dazu von 1971 bis 1981 rund 63.000 weitere Kunden. Ihm folgte im Oktober 1981 mit dem S-Klasse-Coupé SEC der Baureihe C 126 wieder ein echtes Oberklasse Coupé, das bis 1991 mehr als 74.000-mal produziert wurde und damals die Spitze des Modellprogramms darstellte.

In der oberen Mittelklasse folgte auf den „Strich-Acht“ der 123er, von dem ebenfalls ein Coupé angeboten wurde. Dieses verkaufte sich von Juni 1977 bis August 1985 fast 100.000-mal, bis es im Zuge des Modellwechsels nach einer kurzen Pause von einem Coupé auf Basis der Baureihe 124 ersetzt wurde. Obwohl von diesem Coupé von März 1987 bis Juni 1997 sogar mehr als 140.000 Exemplare verkauft wurden, blieb das 124er-Coupé ohne echten Nachfolger. Denn der CLK, der 1997 angeboten wurde, basierte auf der kleineren C-Klasse. Weil wir mit dem CLK fast schon in der Gegenwart angekommen sind, lassen wir unsere Geschichtsstunde heute an dieser Stelle vorerst enden. Denn um den Bogen zurück zum neuen CLA schlagen zu können, müssen wir zunächst einen Blick nach England werden.

Rover P5 Coupé

Urvater einer neuen Gattung: Viertüriges Coupé Rover P5 (Foto: Charles01)

Auf der britischen Insel, genauer bei Rover entstand im Herbst 1962 mit dem Rover P5 Mark II ein als viertüriges Coupés vermarktetes Auto, dessen Dach im Vergleich zum herkömmlichen P5 deutlich abgesenkt war. Das Rover-Marketing verband damals mit der Formulierung „viertüriges Coupé“ im Prospekt zwei Merkmale miteinander, die sich nach Meinung der Autofans zuvor gegenseitig ausschlossen. Mercedes griff diese Idee 2004 bei der Vorstellung des Mercedes-Benz CLS, der auf der E-Klasse basiert auf. Mit dem CLA als kleinem Bruder des CLS überträgt man dieses Muster, das dem Käufer wohl ein höheres Prestige versprechen soll, nun auf die A-Klasse. Die Daten, die zum CLA bekannt sind, versprechen ein interessantes Auto, das aber genauso wie der CLS für echte Coupé-Freunde wahrscheinlich einfach nur ein Fließheck ist.


Mercedes-Benz CLA im TestInfos zum Titelbild:
Mercedes-Benz CLA im Test
Mercedes-Benz CLA im Test (Foto: Mercedes-Benz)
 

10 Kommentare

  1. Kann mir nicht helfen, aber der Rover ist das schönste Auto in diesem Artikel. Wobei der 320n mit der geteilten Scheibe auch sehr hübsch ist.

  2. ihr seid doch alle gekauft !!!

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