Klassiker-Szene

Monza: Der 90. Geburtstag im königlichen Park

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Am kommenden Wochenende ist die Formel 1 in Monza zu Gast. Traditionell findet auf der schnellen Strecke des Autodromo Nazionale di Monza Anfang Spetember der Große Preis von Italien statt. In diesem Jahr feiert die Rennstrecke dabei ihren 90. Geburtstag. Denn am 3. Spetember 1922 fand im königlichen Park der italienischen Stadt Monza, die nordöstlich von Mailand liegt, das erste Rennen statt.

Nur eine Woche später führte man auf der neuen Strecke bereits den Großen Preis von Italien durch, der seitdem in Monza zu einer festen Größe geworden ist. Denn nur 1980, als man wegen Umbauarbeiten nach Imola auf das Autodromo Enzo e Dino Ferrari auswich, fand der Großen Preis von Italien nicht in Monza statt. Entstanden ist die Strecke 1922 auf Iniative des Milan Automobile Club.

In nur knapp drei Monaten stampften mehr als 3.500 Arbeiter den ursprünglich rund 10 Kilometer langen Kurs in den Boden. Dabei entstand eine Kombination aus einem 5,5 Kilometer langen Rundkurs und einem 4,5 Kilometer langen Oval, die sich eine breite Gerade – heute befindet sich hier Start und Ziel – teilen. Das Layout ermöglichte bereits vor 90 Jahren extrem hohe Geschwindigkeiten, die die Rennen in Monza zu einer gefährlichen Angelegenheit machten.

Der Tod ist in Monza ein enger Vertrauter

Bereits beim Training zum Eröffnungsrennen verunglückte der deutsche Rennfahrer Gregor „Fritz“ Kuhn am Steuer seines Austro-Daimler tödlich. Ein Jahr später starb Targa Florio Gewinner Ugo Sivocci, ein enger Freund Enzo Ferrari, bei einem Test des damals neuen Alfa Romeo P1. Nach einem schweren Unfall beim Großen Preis von Italien 1928, bei dem neben dem Piloten Emilio Materassi auch 27 Zuschauer starben, verzichtete man aus Sicherheitsgründen einige Jahre auf das Befahren des Ovals.

Als fünf Jahre später beim Großen Preis von Italien auch auf dem normalen Rundkurs gleich drei Fahrer starben, begann man die ersten Schikanen in das Layout der Strecke einzufügen. Nach umfangreichen Umbauarbeiten 1938/39, die jedoch das Grundlayout der Strecke nicht veränderten und sogar die Schikanen wieder entfernten, ruhte der Rennbetrieb wegen des Zweiten Weltkriegs bis 1948. Bereits im Oktober 1948 fand in Monza wieder ein Großer Preis von Italien statt.

Schon im Formel 1 Gründungsjahr 1950 wurde Monza Bestandteil der Formel 1 Weltmeisterschaft. Monza blieb es bis heute – nur 1980 wich man wegen Umbauarbeiten im königlichen Park von Monza mit dem Großen Preis von Italien einmal nach Imola aus. Damit ist Monza die Rekordstrecke der Formel 1, auf keiner anderen Strecke fanden bis heute mehr Rennen der Formel 1 statt.

Monzanapolis: Weltvergleich in der Steilkurve

Mitte der 1950er-Jahre baute man im Oval zwei prächtige Steilkurven, denen John Frankenheimer in seinem Film Grand Prix ein filmisches Denkmal setzte. Die Bilder zeigen die Faszination dieser Kurven, obwohl die Aufnahmen im Film ein stilistisches Mittel sind, um Spannung zu erzeugen. Denn als Frankenheimer 1966 seinen Film drehte, trat die echte Formel 1 nicht mehr in den Steilkurven an. Nach dem Todesrennen von 1961, als Graf Berge von Trips in Monza zu Tode stürzte, verzichtete die Formel 1 auf das Rennen in den Steilkurven.

Kurz nach der Eröffnung der Steilkurven erlebte Monza 1957 und 1958 einen interessanten Vergleich zwischen den IndyCars des United States Auto Club sowie den europäischen Sportwagen und Formel-Rennwagen. Gefahren wurden die 500 Meilen Rennen ausschließlich auf dem Oval, was die Amerikaner bevorzugte. Somit gingen mit Jimmy Bryan (1957) und Jim Rathmann (1958) zwei Amerikaner als Sieger des „Race of Two Worlds“ getauften Vergleichs hervor. Ob man diese Sieger auch bei einem Rennen auf der gesamten Strecke gefeiert hätte, darf allerdings bezweifelt werden.

Das letzte Rennen unter Einbeziehung der Steilkurven, die heute verfallen, fand 1969 statt, als Joseph Siffert und Brian Redman im Porsche 908LH einen Lauf zur Sportwagen-Weltmeisterschaft gewannen. Ein Jahr später verunglückte Jochen Rindt im Training zum Großen Preis von Italien der Formel 1 tödlich. Ein Jahr später fand das letzte Rennen auf der Originalstrecke ohne Schikanen statt.

Der Große Preis von Italien 1971 ging mit unglaublichen Windschatten-Duellen auf den langen Geraden und dem wohl engsten Zieleinlauf der Formel 1 Geschichte in die Geschichte ein. Doch nach dem Rennen modifizierte man das Layout der Strecke aus Sicherheitsgründen immer wieder. Trotzdem verunglückten 1974 mit Silvio Moser und 1978 Ronnie Peterson weitere Spitzenpiloten in Monza. Man benötigte einige Jahre, bis die Streckenführung in den Schikanen wirklich passte.

Same procedure as every year!

Doch trotz aller Umbauten hat Monza immer seinen Charakter bewahrt. Die Strecke ist der Speedtempel des internationalen Rennsports. Auf keinem anderen klassischen Rundkurs sind bis heute so hohe Geschwindigkeiten möglich. 2004 drehte Juan Pablo Montoya mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 262,24 km/h in Monza die schnellste Runde der Formel 1 Geschichte. Bis zum Abrüsten der Formel 1 vor der Saison 2011 betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers beim Großen Preis von Italien im Trockenen stets mehr als 240 km/h.

Die Rennen über die klassische Grand-Prix-Distanz von 300 Kilometern sind damit in der Regel nach 1 1/4 Stunden entschieden. Und dank der Umbauten, die die Strecke über 90 Jahre an die Weiterentwicklung der Rennwagen angepaßt haben, ist die Strecke im königlichen Park von Monza auch mit 90 Jahren nicht nur rüstig, sondern taufrisch.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag!

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:
Aufnahme aus Monza vom April 1925. (Foto: Bundesarchiv, Bild 102-01319 / CC-BY-SA)

Aufnahme aus Monza vom April 1925. (Foto: Bundesarchiv, Bild 102-01319 / CC-BY-SA)
 

3 Kommentare

  1. 10 Kilometer in drei Monaten baut heute auch keiner mehr! Respekt!

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