Oldtimer & Youngtimer

Messe im Wandel – die „Essen Motor Show 2009“

Action in der Motorsport-Arena der Essen Motor Show

Unter Golf-Spielern gilt das Clubhaus, in das man nach dem Spielen einer Runde einkehrt, als das 19. Loch. In gepflegter Atmosphäre kann man dort auf das zurückliegende Spiel zurückblicken und einen ersten Ausblick auf die nächste Runde wagen. Motorsportler kennen etwas ähnliches. Seit mehr als 40 Jahren trifft man sich auf der „Essen Motor Show“. Hier kann man die zurückliegende Saison endgültig abschließen und Gespräche zur nächsten Saison führen. Gestern wurde in Essen die 42. Ausgabe der „Essen Motor Show“ eröffnet. 1300ccm.de nahm die Gelegenheit wahr und sah sich am Eröffnungstag auf der „Essen Motor Show“ um.

Betrachtet man nur die Zahlen, so erweist sich die „Essen Motor Show“ als erstaunlich krisenfest. Bis zum Nikolaus-Sonntag stellen rund 500 Aussteller in Essen Tuningfahrzeuge und Zubehör, Oldtimer sowie Motorsport-Produkte aus. Doch beim Besuch der Ausstellungshallen entsteht ein anderer Eindruck. Die Veranstalter nennen dies „Neustrukturierung“. Die große Halle 3 – vor vier Jahren auch gebaut, um der „Essen Motor Show“ ein weiteres Wachstum zu ermöglichen – bleibt 2009 geschlossen. In Halle 1 hat man viel Platz für eine Sonderschau zum Thema „Lotus“ reserviert. In Halle 11, der Heimat des „Verbands der deutschen Automobiltuner“ (VDAT) füllt eine (allerdings sehr sehenswerte) Ferrari-Show die Freiflächen. Die Weltwirtschaftskrise hat also deutlich sichtbar die „Essen Motor Show“ erreicht.

Auspuffanlage von Abarth
Klassische Tuningteile wie diese Auspuffanlage
aus dem Hause Abarth waren auf der „Essen
Motor Show“ zeitweise selten.

Doch die Veranstalter haben wohl die Zeichen der Zeit erkannt. Ihren Weg durch die Krise gibt ein Relaunch vor, der die „Essen Motor Show“ fit für die Zukunft machen soll. Dazu besinnen sie sich auf die Tradition der Messe. Denn gegründet wurde die „Essen Motor Show“ 1968 als „reine“ Sport- und Rennwagen-Ausstellung. Sie zeigte die erfolgreichsten Rennautos des Jahres. Erst nach einigen Jahren wurde das Ausstellungsangebot um Tuning-Fahrzeuge erweitert. Und die in den 1970er-Jahren boomende Tuning-Szene wurde bald zu einem beherrschenden Thema der „Essen Motor Show“. Vor rund 20 Jahren wuchs der „Essen Motor Show“ mit dem Thema Oldtimer ein drittes Standbein. Im Laufe der Jahre verlor der Motorsport auf der „Essen Motor Show“ seine dominante Stellung. Platzhirsch wurde der „Tuning-Sektor“ mit Felgen, Hifi-Anlagen und Unterbodenbeleuchtungen. Insbesondere Mitte dieses Jahrzehnts fühlte man sich beim Besuch auf der „Essen Motor Show“ schnell wie ein Teil der „Pimp My Ride“-Redaktion beim Betriebsausflug.

Zurück zu den Wurzeln

Timi Scheider auf der Essen Motor Show 2009
DTM-Champion Timo Scheider bei der
Eröffnung der „Essen Motor Show“ 2009

Das Stammpublikum erreichte man damit wohl weniger. Nun steuern die Veranstalter zurück. Zwar will man im nächsten Jahr als zusätzliche Säule das Thema „sportliche Serienfahrzeuge“ auf der „Essen Motor Show“ etablieren, doch den Schwerpunkt soll das Traditionsthema „Motorsport“ bilden. Schon vor zwölf Monaten machten die Veranstalter mit der erstmals eingerichteten „Motorsport-Arena“ deutlich, dass der Motorsport die Keimzelle der „Essen Motor Show“ ist. Die Fahrvorführungen in Halle 7 entwickelten sich in der Tat sofort zu einem Publikumsrenner und werden auch in diesem Jahr wieder das Publikum begeistern.

Dazu hat man 2009 die „Motorsport-Arena“ sogar erweitert. Eine größere Tribüne bietet den Besuchern einen noch besseren Überblick über den vergrößerten Indoor-Rennkurs – und eine perfekte Aussicht auf das spektakuläre Programm. In unmittelbarer Nachbarschaft der „Motorsport-Arena“ haben übrigens
zahlreiche deutsche und europäische Rennserien ihr Quartier bezogen. In
Halle 6 geben sie bereitwillig Auskunft über den aktuellen Stand der
Planungen für die Saison 2010. Damit festigt die „Essen Motor Show“
ihren Ruf als Branchentreff des Motorsports.

In einem Jahr soll die „Motorsport-Arena“ der „Essen Motor Show“ übrigens um eine Freiluftvariante ergänzt werden. Auf der Norbertstraße wird während der „Essen Motor Show“ ein Rundkurs entstehen. Eine Aussicht, die den zweimaligen DTM-Champion Timo Scheider bei der Eröffnung spontan dazu bewog, sich bereits jetzt für die „Essen Motor Show 2010“ selbst einzuladen. 

Zurück zur Gegenwart

Insgesamt betonen die Veranstalter der „Essen Motor Show“ das „Erlebnis Auto“. Dafür stehen 2009 eher klassische Tuningmaßnahmen – also sportlich veredelte Serienfahrzeugen oder getunte Komplettfahrzeuge – als rollende Diskotheken. Dazu verbreiten zahlreiche historische Auto-Raritäten ein nostalgisches Flair. Denn wie in den vergangenen Jahren haben Sammler-Automobile einen festen Platz auf der Essen Motor Show. Die schönen und meist auch sehr seltenen Autos werden jedoch nicht nur präsentiert – sie können auch gekauft werden. Abgerundet wird das Angebot durch ein breites Sortiment an Ersatzteilen und Zubehör für Oldtimer oder Youngtimer. Als Besitzer eines Oldtimers oder Youngtimers kann man sich auf der „Essen Motor Show“ also prima für den anstehenden Winter eindecken, um im Frühjahr mit neuen Teilen an seinem Fahrzeug auf die Straße zurückzukehren.

„Mythos Ferrari“

Ferrari 410 Super America Superfast
Ferrari 410 Super America Superfast

In der Sonderschau „Mythos Ferrari“ sind herausragende Exponate des italienischen Automobil-Produzenten zu sehen. Dazu gehören legendäre Renn-Boliden sowie exklusive Straßen-Sportwagen und Prototypen der Marke mit dem springenden Pferd. Mit dem „Ferrari 365 P/F Berlinetta Special“ aus dem Jahr 1967 ist sogar eine besondere Rarität auf der „Essen Motor Show“ zu sehen. Von diesem dreisitzigen Sportwagen mit Mittellenkung und Mittelmotor baute der italienische Autodesigner Pininfarina ganze zwei Exemplare. Eins kaufte der legendäre Fiat-Präsident Gianni Agnelli, das zweite Exemplar ging an Luigi Chinetti. Der Rennfahrer, Rennstallbesitzer und Ferrari-Importeur für die USA besaß das Fahrzeug, das jetzt in Essen bewundert werden kann, bis zu seinem Tod im Jahr 1994.

Ebenfalls sehenswert sind der im Jahr 1949 vorgestellte „Typ 166 Inter“ und der ab 1956 gebaute „Ferrari 410 Super America Superfast“. Der „166 Inter“ war der erste Ferrari für den „normalen“ Straßenverkehr. Mit dem „Super America“ hatte Ferrari hauptsächlich für den US-amerikanischen Markt im Blick. Dort wurde der „Super America“ jedoch zu einem doppelt so hohen Preis wie der bekannte Flügeltüren Mercedes-Benz 300 SL angeboten. Entsprechend selten blieb der in nur 34 Exemplaren gebaute 12 Zylinder GT-Sportwagen.

„Faszination Lotus“

Lotus Seven Mk 1 auf der Essen Motor Show
Lotus Seven Mk 1

Mit der Sonderschau zu „Lotus“ würdigt die „Essen Motor Show“ das Lebenswerk des genialen Konstrukteurs Colin Chapman. Der Brite gründete 1952 Lotus Engineering. Zwei Jahre später folgte das legendäre Rennsportteam, das in den 1960er und 1970er Jahren eines der erfolgreichsten Formel-1-Teams war. Mit Jim Clark (1963 und 1965), Graham Hill (1968), Jochen Rindt (1970), Emerson Fittipaldi (1972) und Mario Andretti (1978) sicherte sich der britische Rennstall insgesamt sechsmal die Fahrer- und siebenmal die Konstrukteurs-WM der Formel 1. Dazu gewannen Lotus mit Piloten wie Ronnie Peterson oder Aytron Senna insgesamt 79 Grand Prix-Rennen.

Insgesamt 21 Motorsport-Raritäten umfasst die Lotus-Sonderschau, die auf der „Essen Motor Show“ in diesem Jahr präsentiert wird. Vom ersten eigenständigen konstruierten „Lotus Typ Mark 6“ aus dem Jahre 1954 über einen „Lotus Seven“ der seltenen 1. Serie bis zum „Lotus 79“ sind Leihgaben von Sammlern aus der ganzen Welt, die sonst nur äußerst selten in der Öffentlichkeit zu sehen sind, zu bewundern. Der Ende 1977 konstruierte „Lotus 79“ ist eine der bemerkenswertesten Formel 1-Konstruktionen aller Zeiten. Als erster Formel 1-Wagen setzte Colin Chapman beim „Lotus 79“ konsequent die Vorteile der sogenannten „ground effect aerodynamics“ in die Praxis um. Schon beim Debüt im belgischen Zolder 1978 fuhr Mario Andretti den Grund-Effect-Lotus auf den ersten Platz. In der 1978er-Saison erwies sich der Lotus 79 als nahezu unschlagbar und bescherte Andretti nach sechs weiteren Siegen die Fahrerweltmeisterschaft.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise:

Fazit: Die „Essen Motor Show“ bleibt auch 2009 einen Besuch wert – zumal die Eintrittspreise im Vergleich zum Vorjahr gesenkt wurden.

Termin: Samstag, 28. November,
bis Sonntag, 6. Dezember 2009
Öffnungszeiten: Täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr
Samstag / Sonntag von 9.00 bis 18.00 Uhr
Eintrittspreise: Tageskarten Erwachsene € 15,-

Gruppen ab 15 Personen,
Schüler und Studenten – pro Person € 13,-

Kinder und Jugendliche von
8 bis 16 Jahren € 11,-

Kinder unter 8 Jahren haben
kostenlosen Eintritt

  Montags bis Freitags können ab
15.00 Uhr „Happy-Hour-Tickets“ zu
reduzierten Eintrittspreise
erworben werden.

Weitere Informationen zur „Essen Motor Show“ finden Sie unter www.essen-motorshow.de.


Action in der Motorsport-Arena der Essen Motor ShowInfos zum Titelbild:
Action in der Motorsport-Arena der Essen Motor Show
Action in der Motorsport-Arena der Essen Motor Show
 

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