Szene aus dem AvD Historic Marathon
Oldtimer & Youngtimer

Glanzpunkt der Saison: AvD Oldtimer Grand Prix 2012

Der Oldtimer Grand Prix ist anders als andere Veranstaltungen im historischen Motorsport. Schon auf der Anreise am Freitag zeigte sich, was den Unterschied ausmacht. Gute 100 Kilometer vor dem Ziel hatte die 1300ccm.de Redaktion auf der Autobahn immer wieder das Vergnügen, offensichtlich Gleichgesinnte zu treffen. Fast hatte man den Eindruck, als ob die versammelte Oldtimer-Gemeinde an diesem Wochenende kollektiv nur ein Ziel kannte. Aus allen Richtungen rollten Oldtimer und Klassiker in die Richtung der Rennstrecke in der Eifel, an der damit an diesem Wochenende endlich wieder Autos im Mittelpunkt standen.

Der Weg ist das Ziel!

Mehr als bei anderen Veranstaltungen des historischen Motorsports gehört es beim AvD Oldtimer Grand Prix offensichtlich für viele Besucher dazu, schon auf den Weg in die Eifel im eigenen Oldtimer das pure Fahrvergnügen zu genießen. Dies sorgte auch 2012 dafür, dass wir auf der Fahrt nebenbei in der kleinen Rallye Ziege, die uns diesmal so drehfreudig in die Eifel trug, am Ziel angekommen bereits die Kollektion eines veritables Automobilmuseum diskutiert hatten.

Am Samstag und Sonntag Früh dann das übliche Bild, wenn der AvD zum Oldtimer Grand Prix ruft: Überfüllte Straßen rund um den Nürburgring! Doch mit dem satten Sound eines Alfa 8C vor und dem blubbernden Boxer eines frühen Porsche 911 Targa hinter uns, wird selbst der Stau zum Vergnügen. Wer bisher daran zweifelte, (diese) Musik kann offensichtlich beruhigen!

Highlight 1: AvD Historic Marathon

Noch mehr als Abseits der Strecke vermochte der AvD Oldtimer Grand Prix auch in diesem Jahr wieder mit dem Programm auf der Strecke zu überzeugen. Zum Auftakt stand, wie es bei AvD Oldtimer Grand Prix inzwischen eine gute Tradition ist, am Freitag der „AvD Historic Marathon“ auf dem Programm. Erstmals seit fünf Jahren wurde dieses Rennen nur auf der Nordschleife fahren. Anders als in den vergangenen Jahren verzichtete man darauf, die Nordschleife für den „AvD Historic Marathon“ mit der Grand Prix Strecke des Nürburgrings zu verbinden.

Jochen Mass im Ford GT 40

Jochen Mass im Ford GT 40 beim AvD Historic Marathon

Ein kleiner Wermutstropfen war, dass man 2012 mit „nur“ knapp mehr als 80 Startern beim „AvD Historic Marathon“ nicht die Startzahlen der vergangenen Jahre erreichte. Doch auch wenn das Teilnehmerfeld 2012 quantitativ nicht ganz mit den Vorjahren mithalten konnte, wusste der „AvD Historic Marathon“ mit der Qualität der Fahrzeuge durchaus zu überzeugen. 1300ccm.de hat besonders der Ford GT 40 gefallen, den Chris Stahl mit Unterstützung von Jochen Mass um den 20,793 Kilometer langen Kurs trieb. Besonders dem ehemaligen Formel-1-Piloten war die Fahrfreude von außen deutlich anzusehen.

Highlight 2: Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft

Bereits seit der AvD im Rahmen des Oldtimer Grand Prix zum Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft 1972 bis 1981 ruft, gehören diese Läufe zu den Highlights des gesamten Wochenendes. Den Veranstaltern ist es seit 2006 mit diesem inzwischen als Institution zu bezeichnenden Rennen gelungen, eine optimale Plattform für die Fahrzeuge einer der größten Epochen der deutschen Motorsportgeschichte zu etablieren.

Die im Revival bewegten Fahrzeuge geben die Geschichte der Deutschen Rennsport Meisterschaft von ihrem Debüt 1972 bis zum Ende des Tourenwagen-Zeitalters 1981 wieder. Ab 1982 setzte man in der Deutschen Rennsportmeisterschaft schließlich hauptsächlich auf Sportprototypen der damals neuen Gruppe C. Die Gruppe C rennt, wenn auch nicht beim AvD Oldtimer Grand Prix, in eigenen Rennen des historischen Motorsports. Und so konzentriert man sich beim AvD Oldtimer Grand Prix im Revival ausschließlich auf die Tourenwagen-Ära der Deutschen Rennsport Meisterschaft.

Ford Capri Turbo 1981

Peter Zakowski führte den Ford Capri Turbo von 1981 im Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft aus

Immerhin wurden die Tourenwagen von 1972 bis 1981 stolze zehn Saisons von Piloten wie Hans-Joachim Stuck, Klaus Ludwig oder Rolf Stommelen gerannt, während die Ära der Sportwagen in der Deutschen Rennsport Meisterschaft schon nach kurzer Zeit wegen eines Teilnehmerschwunds zu Ende ging. Was 1972 mit Spezial-Tourenwagen der Gruppe 2 oder Sportwagen der Gruppe 4 als Deutsche Rennsport Meisterschaft begann, führte, als man ab 1976 auch die Fahrzeuge der Gruppe 5 an den Start gehen lies zu den wohl grenzenlosesten Tourenwagen aller Zeiten.

Bereits in den vergangenen Jahren nahmen beim Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft regelmäßig einige der damals starken Gruppe 5 Porsche 935 aus den Jahren 1976 bis 1981 teil. 2012 führte Peter Zakowski zudem erstmals ein echtes Gruppe 5 Fahrzeug der Konkurrenz aus. Mit dem 1981er Turbo Capri bewegte Peter Zakowski dabei so etwas wie das rollende Erbe dieser einst großen Meisterschaft. Der vom legendären Techniker Thomas Ammerschläger wesentlich geprägte Ford Capri, erreicht durch einen Groundeffect die gleichen Abtriebswerte wie zeitgenössische Formel 1 Fahrzeuge und fuhr zum „Finale“ 1981 mit Klaus Ludwig überlegen zum Titel.

Thomas Ammerschläger und Peter Zakowski beim AvD Oldtimer Grand Prix 2012

Thomas Ammerschläger und Peter Zakowski betrachten den Ford Capri der Gruppe 5 im Fahrerlager

Peter Zakowski, Sohn des Zakspeed Gründers Erich Zakowski, zeigte besonders in der Anfangsphase des Samstag-Rennens, wie schnell der Ford Capri auch heute noch sein kann. Auch wenn der Junior mit dem Ausgang des Rennens am Ende nichts zu tun hatte, war es ein besonders Erlebnis, diesen einzigartigen Rennwagen nach mehr als 30 Jahren endlich wieder auf der Rennstrecke bewundern zu dürfen.

Highlight 3: BMW M Jubiläumsrennen – besser als erwartet

Als wir das erste Mal davon hörten, dass es beim AvD Oldtimer Grand ein Rennen exklusiv für BMW ab Baujahr 1972 geben würde, waren wir trotz der zweifelsfreien großartigen Motorsport-Geschichte der Münchener skeptisch. Zu frisch waren unsere Erinnerungen an die Mini Challange, die von vielen Oldtimer-Freunden immer als Fremdkörper im Programm des Oldtimer Grand Prix wahrgenommen wurde. Beim BMW M Jubiläumsrennen war diese Angst unbegründet.

Marc Surer im BMW 320 E21

Marc Surer hatte sichtbar Spaß, sein ehemaliges Arbeitsgerät, einen Gruppe 5 BMW 320 der Baureihe E21 auszuführen.

Denn obwohl das Feld der Teilnehmer tatsächlich fast die gesamten 40 Jahre der 1972 als BMW Motorsport GmbH gegründeten BMW Motorsport abdeckte, dominierten mit zahlreichen BMW M1 Procar und BMW M3 – ebenfalls von Thomas Ammerschläger erdacht – die historischen Fahrzeuge. Die Rennen, in denen zahlreiche weitere BMW 635, 3.0 CSL und 2002 den historischen Anspruch der Zuschauer sicher befriedigten, boten interessanten Motorsport. Besonders sehenswert, wie Marc Surer sein altes Arbeitsgerät aus der Deutschen Rennsport Meisterschaft, einen BMW 320 E21 des legendären BMW Junior Teams über die Strecke drosch.

Ein Fazit fällt da nicht schwer

Bei dem breiten Angebot des AvD Oldtimer Grand Prix fällt es wirklich schwer, alle Glanzlichter in einem Bereicht angemessen zu berücksichtigen. Denn den Veranstaltern ist es auch in diesem Jahr wieder gelungen, eine Veranstaltung durchzuführen, die in Deutschland im Moment in dieser Form einzigartig ist. Ein Engagement, das auch von den Besuchern honoriert wurde. „Wir haben mit deutlich über 50.000 Besuchern bei traumhaftem Wetter ein rundum gelungenes Jubiläum gefeiert“ freute sich Ludwig Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, der Präsident des AvD in einer Mitteilung des AvD.

Die Zusammenarbeit mit dem britischen Rennveranstalter „Masters Historic Racing“ sorgte sogar im Sportwagen-Bereich für ein picke, packe volles Starterfeld. Wo in Deutschland sonst mit dem „SuperSports Cup“ und dem „CANADIAN-AMERICAN Challenge Cup“ gleich zwei „Serien“ als Konkurrenten zu Zeit in den gleichen Gewässern fischen und so aus meiner Sicht beide nicht funktionieren, glänzte der AvD Oldtimer Grand Prix mit dem „World Sportscar Masters“ dem zur Zeit wohl besten Sportwagen-Rennen des historischen Motorsports.

Und so sind die Sportwagen eine perfekte Brücke für ein Schlusswort zum AvD Oldtimer Grand Prix 2012. Denn frei nach Michael Delaney, Alter Ego von Steve McQueen im Spielfilm Le Mans, möchte man als Freund des historischen Motorsports sagen: „AvD Oldtimer Grand Prix heißt für uns leben. Die Zeit, die zwischen den AvD Oldtimer Grand Prix liegt, heißt warten!“


Szene aus dem AvD Historic MarathonInfos zum Titelbild:
Szene aus dem AvD Historic Marathon
Szene aus dem AvD Historic Marathon
 

5 Kommentare

  1. Ich kann das positive Fazit überhaupt nicht nachvollziehen. Das war alles total überfüllt und eine Zumutung wenn man mit den Auto aus dem Parc ferme zurück ins Fahrerlager fahren wollte. Das ging gar nicht und hat mich fast die Kupplung gekostet.

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