Was für Aufgaben haben Sportverbände? Sie ordnen ihren Sport und organisieren die Wettbewerbe. Oft stellen sie dabei sicher, dass die Teilnehmer der Wettbewerbe ein gewisses Mindestniveau erfüllen. Was für den Golfer Platzreife und Handicap sind, ist das Lizenzwesen für den Motorsportsportler. Dazu übernehmen Sportverbände im Optimalfall die Aufgabe, die Interessen der Sportler nach außen zu vertreten. Gerade im Motorsport ist das eine wichtige Aufgabe, denn der Sport ist seit Jahrzehnten immer wieder den Angriffen von Weltverbessseren ausgesetzt.

Insofern ist klar, was Motorsportler vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) erwarten. Doch leider beherrschen die Arbeit des Verbands zurzeit überwiegend andere Themen. Es wirkt, als ob der Verband seinen Mitgliedern in der Breite den Kampf erklärt hat. Dabei nimmt die Arbeit des Verbunds Formen an, die auch zurückhaltende Menschen nur noch an die Redewendung „von der Gutsherrenart“ erinnert – und das auf allen Ebenen. Das Problem verschlimmert sich, weil Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit beim DMSB quasi nicht stattfinden.

Beispiel Kart-Sport

Im Kart-Sport verbot der DMSB im Mai 2014 mit einem Rundschreiben an alle Kart-Streckenbetreiber mit Lizenz des Sportverband, die den Streckenbetreibern die Durchführung von lizensierten Rennveranstaltungen ermöglicht, den Einsatz großvolumiger Kart-Motoren. Gemeint waren die Motoren von Mega/Rübig bzw. Hirth, die mit mehr als 600 ccm und rund 65 beziehungsweise 55 PS die Leistung der normalen Kart-Klassen deutlich übersteigen.

Vorgeschoben wurden Sicherheitsbedenken, obwohl es in dem Rundschreiben für den DMSB deutlich ehrlich heißt:

… In letzter Zeit mehren sich vorallem im Clubsportbereich oder der „freien Szene“ Veranstaltungen, bei denen Karts mit sehr hohen Motor-Leistungen zum Einsatz kommen. …

Interessant ist der Anspruch des Sportverband. Denn wir reden von einem Verbot, das insgesamt für die jeweilige Rennstrecke gelten soll. Also auch, wenn Du und ich in der Woche mit einem privaten Kart unterwegs sind und nicht Lizenznehmer des Sportverbands sind. Denn im Clubsportbereich und in der „freien Szene“ verdient der Sportverband nicht mit. Insofern gilt für dieses Rundschreiben wohl die Maxime, wenn wir schon nicht mitspielen können, dann machen wir Euch eben das Spielfeld kaputt. Heißt es in dem Rundschreiben doch weiter:

… Wir möchten gleichfalls die Streckenbetreiber darauf hinweisen, dass die DMSB- Streckenlizenz für die vorgenannten Karts keine Gültigkeit hat und der DMSB sich bei Verstößen das Recht vorbehält, die DMSB-Streckenlizenz für ungültig zu erklären bzw. keine weiteren Streckenabnahmen durchzuführen. …

Ich erlebte auf Kartbahnen im vergangenen Jahr mehrfach die Situation, dass die Bahnbetreiber – aus Angst vor dem DMSB – potenziellen zahlenden Kunden das Fahren mit Mega- oder Hirth-Motoren verweigerten. Ich habe mich immer gefragt, auf welcher rechtlichen Grundlage das wohl passiert. Denn die Betroffenen sind oft Freizeitfahrer und fahren nicht bei einer Lizenzveranstaltung.

Der normale Bahnbetrieb – abseits von Sportveranstaltungen – geht meiner Meinung nach den DMSB nichts an. Der private Sportverband ist keine staatliche Aufsichtsbehörde, die Genehmigungen für den allgemeinen Betrieb erteilt. Insofern stellte das Rundschreiben in meinen Augen einen unzulässigen Eingriff in die Vertragsfreiheit der Bahnbetreiber dar. Scheinbar teilen ordentliche Gerichte meine Auffassung. Denn einer der betroffenen Motorenhersteller bestritt den Klageweg und siegte vor dem Landgericht Frankfurt.

Der DMSB suchte sich neue Betätigungsfelder.

Neben dem Kartsport wandte sich der DMSB dem historischen Motorsport zu. Schon seit Ende 2012 leidet die Szene darunter, dass sich Motorsport-Landesverbände trotz des freien Wirtschaftsverkehrs innerhalb der Europäischen Union an alte Grenzen klammern. Denn die Sportverbände definierten kürzlich nationale und internationale Serien.

Wer eine nationale Serie organisiert, darf nur ein Wochenende im Ausland fahren. Wer mehr Veranstaltungen im Ausland fahren möchte, der möge seine Serie bitte als internationale Rennserie beim DMSB anmelden – gegen eine saftige Extra-Gebühr versteht sich. Das war für viele Serien wirtschaftlich nicht tragbar. Daher haben sie ihre Serien als nationale Serien angemeldet.

Einige haben sich vom DMSB im vergangenen Winter daraufhin bestätigen lassen, dass die Beschränkung nur für Meisterschaftsrennen gilt. Natürlich können die Teilnehmer nicht daran gehindert werden, an Einladungsrennen innerhalb der EU teilzunehmen. Nur dürfen diese Läufe dann nicht zu den genehmigten Meisterschaften zählen.

Das klang nach einem halbwegs vernünftigen Kompromiss – bis vor gut zehn Tagen.

Denn im Vorfeld des Spa Race Festivals änderte der DMSB plötzlich die Spielregeln. Am Donnerstag vor der Veranstaltung verlangte der Sportverband von den Organisatoren der Youngtimer e.V. die Unterzeichnung eines neuen Vertrags. Mit diesem Vertrag sollte sich der Youngtimer e.V. verpflichten, bei Verstößen gegen die Regelung der Auslandsstarts pro Verstoß 10.000 Euro zu bezahlen.

Gleichzeitig widerrief der DMSB die Genehmigung der vom Youngtimer e.V. organisierten Rennserien. Damit standen – einen Tag vor der Veranstaltung – die „Youngtimer Trophy“ (YT) und die „Cup und Tourenwagen Trophy“ (CTT) ohne sportrechtliche Grundlage für ihre Durchführung dar. Als Grund für den Widerruf wurde ein Einladungsrennen angeführt, an dem die CTT im Vorfeld teilnahm.

Notgedrungen unterschrieben die Verantwortlichen der Youngtimer e.V. den Vertrag. Im Gegenzug gab es eine vorläufige Genehmigung für die Rennen in Spa. Ohne Unterschrift hätte sich auf der Strecke in den Ardennen wohl kein Rad gedreht. Das Ganze wirft einen dunklen Schatten auf das Handeln eines Verbands, der – wie er in seinem Jahrbuch schreibt – als Zweck und Aufgabe die Förderung des Motorsports ansieht.

Denn genau das Gegenteil wurde erreicht. Die Verantwortlichen der Youngtimer e.V. sagten inzwischen die für den August in Zolder geplante Veranstaltung ab. Rund 500 Motorsportler mit einer Lizenz ihres Sportverband können dadurch ihren geliebten Sport nicht ausüben. Denn von der Absage sind auch die HTGT, der FHR Langstreckencup und der Kampf der Zwerge betroffen.

Ein Widerspruch, den der DMSB bisher auch nicht auflöst.

So rücken zwei Personen in das Zentrum der Kritik. Zum Einen der Generalsekretär des DMSB Christian Schacht. Dessen Aufgabe ist die Führung des Tagesgeschäfts des Sportverbands. Also die Förderung des Motorsports. Zumindest in den Beispielen Kart und historischer Motorsport ist zurzeit das Gegenteil der Fall.

Besonders groß ist die Enttäuschung der Motorsportler deshalb auch vom DMSB-Präsidenten Hans-Joachim Stuck. Hier wird die Geschichte besonders „süffisant“. Denn der Präsident des Sportverbands nutzt für sich selbst die Vorteile der EU. Der Wohnsitz des ehemaligen Motorsportlers liegt in Österreich – zumindest findet man darüber in der Presse zahlreiche nicht widersprochene Berichte. Und gleichzeitig klammert sich der Verband, dem Stuck vorsteht, krampfhaft an nationale Grenzen.

Das ist lächerlich.

Über die Motive des DMSB lässt sich nur spekulieren. Wenn der Sportverband der Annahme war, dass die Serien die 10.000 Euro einfach bezahlen, hat der Verband die Bodenhaftung verloren. Denn anders als beim Hersteller-Sport der DTM oder der ADAC GT Masters müssen im Breitensport am Ende die Teilnehmer für die Kosten aufkommen. Bei den heute üblichen Starterzahlen in den einzelnen Serien kommen auf den einzelnen Teilnehmer schnell rund 300 Euro zu. Das dürfte für die Mehrzahl der Teilnehmer nicht machbar sein.

Wie das alles zu den Zielen von der Förderung des Motorsports passt, versteht niemand. Für die Betroffenen, die zahlreichen Ehrenamtlichen, die die Veranstaltungen erst möglich machen, sowie die Fans an der Strecke ist das nicht mehr nachvollziehbar. Um so ärgerlicher, weil sich alle Teilnehmer im Prinzip freiwillig einem Sportverband und seinen Regelwerken unterwerfen. Der DMSB ist Teil der Selbstverwaltung des Sports. Das Problem, wer ernsthaft Motorsport betreiben möchte, kommt an diesem Sportverband nicht vorbei.

Hat der DMSB noch ein Interesse am Breitensport?

Symptomatisch für die Situation im Verband ist eine Anekdote aus der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM). Dort jagten die Verantwortlichen des DMSB kürzlich den weltweit anerkannten Sportkommissar Rüdiger Merdes aus dem Amt. Er habe – so wurde kolportiert – zu sehr aufseiten der Teilnehmer gestanden. Wenn das stimmt, dann lässt sich das Denken des Verbands kaum besser dokumentieren. „Hier wir – dort die“ – scheint fast so, als ob der Verband das Interesse am Breitensport verloren hat.

Inzwischen hat der DMSB Stellung zu der Absage der Rennveranstaltung in Zolder genommen. Danach sei man im Verband verwundert und weist den Organisatoren der Youngtimer Trophy sowie ihrer Partnerserien die Verantwortung für die aktuelle Situation zu. Gleichzeitig zieht sich der Sportverband auf von der FIA vorgegebene Regeln zurück. Mensch, Mensch, Mensch, das klingt alles nicht, als ob der DMSB an einer Lösung abseits von weiteren Gebührenrechnungen interessiert sei. Insofern bleibt einfach der Schale Beigeschmack, dass der Sportverband im Moment kein glückliches Händchen im Umgang mit dem Breitensport hat.
Nachtrag vom 30.07.2015: Es gibt Hoffnung! Denn gestern gab die Youngtimer Trophy bekannt, dass die Veranstaltung in Zolder mit den Einladungsrennen wie geplant durchgeführt wird. Zudem wurde auch das Reglement für die Youngtimer Trophy sowie die Cup und Tourenwagen Trophy wieder unbefristet vom DMSB genehmigt. Die Absage der Absage wird alle Motorsport-Fans mit Interesse am historischen Motorsport freuen.

 

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Szene im 3-Stunden-Rennen der FHR und Youngtimer-Trophy bei der Historic Trophy Nürburgring, 2014 - Aufgenommen am Schwalbenschwanz