Morgen starten Karla und ich eine Reise in meine automobile Vergangenheit. Bei der Oldtimer-Rallye Köln Historic sind wir mit einem VW Golf GTI G60 aus dem Bestand von Volkswagen Classic unterwegs.

Im nächsten Frühjahr wird mein Führerschein 30 Jahre alt. Mit der finanziellen Hilfe meiner Großeltern hatte ich kurze Zeit später ein eigenes Auto. Schon im Sommer 1987 machte mich ein unfassbar grüner 1979er VW Golf mobil. Wegen seiner Farbe hieß der Golf bald überall Kermit. Zwei Jahre war Kermit mein treuer Begleiter. Begleitet von Kermit machte ich  das Abitur, absolvierte den Wehrdienst und wurde Lehrling bei einer Hamburger Versicherung.

Als angehender Versicherungskaufmann begriff ich schnell die Möglichkeiten einer erfolgsabhängigen Vergütung. Dank erster Verkaufserfolge tauschte ich Kermit gegen ein deutlich jüngeres Auto. Doch der vernünftige 55 PS „starke“ Golf II eroberte nie mein Herz. Ein Totalschaden dieses Fahrzeugs, aber darüber sprechen wir heute besser nicht, ließ mich zu einem Golf GTI wechseln.

Golf GTI ist ein alter Bekannter – der G-Lader dafür neu

Endlich war ich Herr über 139 PS und bald auf der Suche nach Tankstellen, die noch verbleites Benzin führten. Denn auch damals schon ganz Sportfahrer hatte ich mich im Streben nach Leistungsmaximierung natürlich für einen GTI ohne Katalysator entschieden. Oberhalb des GTI ging bei Volkswagen lange nichts, zumindest nicht mit einem VW-Logo im Kühlergrill. Der Golf GTI war die Spitze des VW-Modellprogramms.

Gedankenspiele, einen Passat GTI zu bauen, verwirklichte Volkswagen damals nicht. Trotzdem kannten die Verantwortlichen in Wolfsburg den Wunsch der Kunden nach mehr Leistung. Damals wie heute war klar, dass der Weg dahin über eine Aufladung des Motors führt. Auf der Suche nach Leistung kamen schon in den Anfangstagen des Motorenbaus mechanisch angetriebene Kompressoren zum Einsatz.

Legendär die Mercedes SSK der 1920er-Jahre sowie die Grand Prix Boliden der 1930er-Jahre. Denn ganz gleich ob Alfa Romeo, Mercedes und der Auto Union, überall machte der Kompressor den Grand-Prix-Motoren Druck. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich die Entwicklung jedoch zu den Turboladern. Denn die schon 1905 vom Schweizer Alfred Büchi patentierte Idee erinnert an das berühmte Perpetuum mobile.

Schließlich nutzt der Turbolader den ansonsten nutzlos entweichenden Abgasstrom, um einen Motor unter Druck zu setzen. Porsche und Renault zeigten Anfang der 1970er-Jahre im Motorsport, dass die Idee des Turbos tatsächlich auch im Auto funktioniert. Kurze Zeit später folgten die ersten Serienmodelle mit Turboladern. Im Volkswagen-Konzern setzte Audi mit dem Audi 200 5T, bei dem ein Turbo den Fünfzylinder-Reihenmotor unter Druck setzte, den Startpunkt.

G-Lader als Alleinstellungsmerkmal

Auf der Suche nach Differenzierung suchte Volkswagen für die Marke VW jedoch nach einem anderen Weg. Mit dem sogenannten G-Lader stellten die Wolfsburger 1985 ihre Lösung vor. Im VW Polo G40 sorgte ein mechanischer Kompressor für Druck. 1990 stellte Volkswagen dem Polo mit G-Lader den VW Golf GTI G60 zur Seite, den Karla und ich morgen fahren dürfen.

VW entschied sich bei seinen aufgeladenen Motoren für einen sogenannten Scrollverdichter mit zwei ineinander verschachtelten Spiralen. Eine der Spiralen steht fest. Die Andere bewegt sich exzentrisch auf einer kreisförmigen Bahn. Dadurch bilden sich bei jeder Umdrehung zwei ständig kleiner werdende Kammern. wobei der gewünschte Druck entsteht. Bei der Draufsicht erinnert die Formgebung der Spiralen entfernt an den Buchstaben G.

Wer eher Druck hat, verbessert seine Leistungsbilanz!

Die Form führte im Marketing bei VW zur Erfindung des Namens G-Lader. Dem Scrollverdichter sagen Experten bereits bei geringer Drehzahl einen schnellen Druckaufbau nach. Damit bekämpft der G-Lader ein Grundproblem von Kompressormotoren. Denn im unteren Drehzahlbereich kostet der Antrieb eines Kompressors mehr Energie, als die Aufladung an Leistung bringt.

Ich konnte das bisher leider nie ausprobieren. Außer einer Mitfahrt im Corrado G60 eines Arbeitskollegen fehlt mir bisher jede G-Lader-Erfahrung. Der Start mit einem VW Golf GTI G60 bei der Köln Historic ändert das. Endlich kann ich meine GTI-persönliche Geschichte zumindest für einen Tag fortschreiben. 12 Gleichmäßigkeitsprüfungen sorgen für die sportliche Herausforderung, auch wenn wir mit Startnummer 164 „nur“ in der tourensportlichen Klasse starten.

 

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VW Golf GTI G60

Mit diesem VW Golf GTI G60 werden Karla und ich morgen bei der Köln Historic starten. Foto: Volkswagen Classic