Ein offener Brief an den DMSB zeigt, was die Motorsport-Szene in Deutschland zur Zeit offensichtlich bewegt. Wir haben uns mit den Hintergründen beschäftigt und blicken hinter die Kulissen einer Szene, die im Moment durch die Willkür des DMSB und der FIA von Existenzangst getrieben ist.

Worum geht es?

Der Deutsche Motor Sport Bund e.V. (DMSB) ist der Dachverband für den Motorsport in Deutschland. Der Verein, dessen Träger neben dem ADAC und dem AvD auch der Allgemeine Deutsche Motorsport Verband (ADMV), der Veteranen-Fahrzeug-Verband (VFV), der Automobil-Club Verkehr (ACV) und der Porsche Club Deutschland (PCD) sind, kümmert sich um die Überwachung und Austragung motorsportlicher Veranstaltungen in Deutschland. Kurz, er dient der Förderung des Motorsports in Deutschland.

Im Rahmen dieser Arbeit stellt der DMSB Lizenzen aus, prüft die Sicherheit der startenden Fahrzeuge und genehmigt Veranstaltungen. Wobei sich alle Teilnehmer im Prinzip freiwillig dem DMSB und seinen Regelwerken unterwerfen. Denn der Auftrag des DMSB geht nicht auf einen staatlichen Auftrag zurück. Es gibt kein staatlich garantiertes Monopol für den DMSB.

Trotzdem kommt man, wenn man ernsthaft Motorsport betreiben möchte, am DMSB nicht vorbei, da der DMSB als einziger deutscher Motorsportverband von der FIA und der FIM international anerkannt ist und so die Schnittstelle für die motorsportliche Betätigung im Ausland ist. Für seine Arbeit benötigt der DMSB Geld, Das ist in Ordnung, denn wenn der DMSB Rennstrecken zertifiziert und Sicherheitspersonal ausbildet, dann trägt das zweifelsfrei zur Sicherheit aller Teilnehmer bei.

Doch ums liebe Geld gibt es jetzt einen gewaltigen Streit

Am 28. September 2012 hat das FIA World Motor Sport Council weit in die Organisation des Motorsports eingegriffen, indem es die Spielregeln insbesondere im grenzüberschreitenden Motorsport deutlich verändert hat. So legte man nun beispielsweise fest, dass die Schweizer, die unter einem gesetzlichen Rundstreckenverbot leiden, ihre nationalen Veranstaltungen in Zukunft in Italien durchführen. Die Luxemburger „gehören“ für die FIA jetzt nach Frankreich.

Ob das in Abstimmung mit den Schweizern erfolgt ist, ist nicht bekannt. Auffällig ist nur, dass die Mehrzahl der schweizer Rundstreckenaktivitäten bisher in Hockenheim stattfand. Und auch der Motorsport in Luxemburg hat gewisse Verbindungen nach Deutschland. Denn es gibt „deutsche“ Motorsportserien, die mit einer kostenpflichtigen Genehmigung der Luxemburger fahren, weil deren Gebühren für die Genehmigung einer Serie zum Teil deutlich unter denen des DMSB liegen.

Ich würde das freien Wirtschaftsverkehr nennen!

Und natürlich ist der FIA bewusst, dass sie im Zuge des europäischen Gedankens diese Wege nicht vollständig verhindern kann. Trotzdem hat man bereits in der Vergangenheit versucht, diese Praxis einzudämmen. Wollen die Deutschen mit Luxemburger Lizenz nämlich im Heimatland starten, sind nämlich bestimmte Genehmigungswege einzuhalten. So muss beispielsweise der DMSB eingebunden werden, um den Gaststart der ausländischen Serie in Deutschland zu genehmigen – gegen Gebühren natürlich.

Und genau über diese Gebühren, will man nun den internationalen Austausch wohl vollständig verhindern. Denn Ende Oktober hat der DMSB die deutschen Veranstalter mit einer ab dem 1.Januar 2013 geltenden Gebührenordnung für seine „Dienstleistungen“ konfrontiert. Die Genehmigung des Gaststarts einer ausländischen Serie in Deutschland ist jetzt so teuer, dass es sich für deutsche Veranstalter kaum noch rechnet, seinen Zeitplan mit dem Gaststart einer niederländischen Serie zu füllen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Den Zuschauern werden so interessante Fahrzeuge vorenthalten. Gleichzeitig verlieren die Veranstalter zahlende Kunden. Wie Zahlen, die 1300ccm.de vorliegen, belegen, sind damit einige Veranstaltungen in Deutschland in ihrer Existenz gefährdet. Damit reduziert sich für deutsche Motorsportler die Möglichkeit zur Ausübung des geliebten Sports. Als Folge einer DMSB-Entscheidung, die damit eindeutig dem Auftrag des DMSB widerspricht.

Zumal gleichzeitig der Ausweg ins Ausland erschwert wird. Denn auch dieser wird durch hohe Gebühren blockiert. Insgesamt gefährden die neuen Gebühren weite Teile des Motorsports. Denn viele Veranstalter haben bereits jetzt Verträge mit Rennstrecken und Serien für das Motorsportjahr 2013 abgeschlossen. Die neuen Gebühren sind natürlich in ihren Kalkulationen nicht berücksichtigt. Mit den späten Änderungen der Gebühren und Regeln greifen FIA und DMSB – indirekt – in bestehende Verträge ein.

Die zahlreichen gemeinnützigen Vereine, die in Deutschland immer noch Motorsport-Veranstaltungen organisieren, verfügen nicht über die Rücklagen, um die steigenden Kosten aufzufangen. Um zu verdeutlichen, von welchen Zahlen wir hier reden: Der „ATS Formel 3 Cup“ hat in diesem Jahr 2.500,00 Euro Genehmigungsgebühren an den DMSB gezahlt. In der nächsten Saison sollen Organisator Bertram Schäfer und die Formel-3-Vereingung e. V. einen Betrag von 52.990,00 Euro zahlen. Weil man in Paris und Frankfurt bereits die Steigerung der Gebühren in den nächsten Jahren beschlossen hat, wird dieser Betrag bis zum Jahr 2017 auf 75.670,00 Euro steigen.

Offener Brief an den DMSB

Am 16. November haben sich am Nürburgring knapp 40 Vertreter deutscher Veranstaltungen, Rennserien, der Industrie und Presse getroffen, um sich über das weitere Vorgehen auszutauschen. Der erste Schritt ist ein offener Brief, den 34 Serien heute an den DMSB-Präsidenten Hans-Joachim Stuck versenden werden. Mit diesem Schritt stellen sie Fragen und fordern auf, die Gebühren für 2013 auszusetzen, um gemeinsam eine für alle Parteien tragfähige Lösung zu finden. Die deutschen Veranstalter und Motorsportserien verstehen diesen Brief als Beitrag zu einem Dialog. Wir sind gespannt, ob der DMSB gesprächsbereit ist.

Zum Download:

Offener Brief an den DMSB

 

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