In diesen Tagen ist es wieder besonders schlimm. Auf allen Kanälen gibt es Werbung für den Wechsel der Kfz-Versicherung. Das einzige Argument der Marktschreier ist dabei meist der Preis. Die Werbenden behaupten pauschal, dass Autofahrer mit einem Wechsel viel sparen können. Doch Vorsicht, denn auch bei Versicherungen gilt die alte britische Weisheit: „YGWYPF – you get what you pay for!

Ich bin gelernter Versicherungskaufmann. Doch seit inzwischen fast 20 Jahren verdiene ich mein Geld mit dem Internet. Trotzdem verfolge ich das Spektakel, das die sogenannten „Vergleicher“ pünktlich zum Jahresende veranstalten, immer wieder fasziniert. Denn was die Werbenden unter den Tisch fallen lassen, auch sie finanzieren sich über Provisionen. Denn auch die „Vergleicher“ sind oft Versicherungsvermittler. In der Regel sind sie als Versicherungsmakler registriert.

Damit sind sie ein – wie der Bundesgerichtshof es schon 1985 nannte – „treuhänderähnlicher Sachwalter“ der Interessen eines Versicherungsnehmers. Der Abschluss einer Versicherung über einen Versicherungsmakler läuft im Prinzip nach folgendem Muster. Der Kunde beauftragt einen Versicherungsmakler damit, den gewünschten Versicherungsschutz zu besorgen. In der Offline-Welt unterscheibt Ihr dazu in der Regel einen Maklerauftrag. Online passiert das auch schon mal beim Einrichten einer Apps oder bei der Antragstellung über ein „Vergleichsportal“.

Kostenlos? Naja …

Der Maklerauftrag ist bei der Mehrzahl der Versicherungsmakler kostenlos. Trotzdem verdient der Versicherungsmakler dank Eures Maklerauftrags oft bereits Geld. Denn mit dem richtigen Maklerauftrag kann sich der Versicherungsmakler als Betreuer Euer bisherigen Verträge einsetzen lassen. Dafür zahlen ihm viele Versicherungen sogar eine Vergütung. Die bekommen Versicherungsvermittler dafür, dass sie Euch im Schadensfall oder bei anderen Fragen zum Vertrag helfen.

Jetzt wird der Eine oder die Andere anführen, das brauche ich nicht, ich wende mich immer an den Kundendienst der Versicherung. Das könnt Ihr ja machen. Aber das ist nach dem Maklerauftrag nicht mehr der Kollege um die Ecke, wo ihr die Versicherung am abgeschlossen habt. Den setzt Ihr mit dem Maklerauftrag quasi vor die Tür. Eurer Betreuer ist jetzt der Versicherungsmakler. Und wenn der nur ein Callcenter oder gar nur eine Webseite betreibt, dann viel Spaß!

Lohnend ist der Neuabschluss

Doch das eigentliche Ziel der „Vergleicher“ ist natürlich, dass Ihr mit ihrer Hilfe einen neuen Vertrag abschließt. Denn diesen Neuabschluss vergüten die Versicherungsunternehmen mit einer Abschlussprovision.  Meistens läuft der Wechsel wie folgt ab. Der Versicherungsmakler stellt Euch eine Auswahl an möglichen Versicherungen vor. Genau da fängt das Problem an. Nach meiner Beobachtung gibt es keinen Versicherungsmakler, der tatsächlich alle Gesellschaften berücksichtigen kann.

Denn nicht alle Versicherungsunternehmen arbeiten mit allen Versicherungsmaklern zusammen. Das reduziert den Kreis der möglichen Versicherungsgesellschaften, bei denen Ihr Euch über einen Versicherungsmakler versichern könnt. Insofern sollte Ihr an einen Versicherungsmakler immer genau fragen, wie er seine Auswahl begründet und welche Gesellschaften fehlen.

Vergleichen ist wichtig!

Das gilt nicht nur für den Preis. Denn Ihr solltet vor dem Wechsel der Kfz-Versicherung unbedingt einen genauen Blick auf die Leistungen der angebotenen Tarife werfen. Denn der Markt bietet im Bereich der Kfz-Versicherungen die unterschiedlichsten Varianten an. Prüft also vor dem Wechsel der Kfz-Versicherung unbedingt, ob der neue Vertrag die notwendigen Leistungen enthält. Wichtige Anhaltspunkte sind die folgenden Punkte:

  • Höhe der Selbstbeteilung – hier gilt die sehr einfache Faustregel: Je höher die Selbstbeteiligung, desto günstiger ist der Beitrag. Haltet Euch vor Augen, für einen Beitragsnachlass tragt Ihr mit der Selbstbeteiligung praktisch einen Teil des Risikos selbst. Denkt nach, ob Euch der Beitragsvorteil dieses Risiko wert ist.
  • Versicherungssummen – bis zu welcher Höhe leistet die Versicherung im Schadensfall? Achtet dabei darauf, alle Leistungen im Detail zu vergleichen. Denn was nützt eine günstige Versicherung, die beim Diebstahl des Autos frühzeitig nur den Zeitwert erstattet?
  • Wildunfälle – sind nur Unfälle mit Haarwild wie Rehen oder Wildschweinen versichert oder gilt der Versicherungsschutz bei Unfällen mit allen Tieren?
  • Zusatzleistungen – auch hier ist der Markt vielfältig. Einige Zusatzversicherungen finde auch ich zweifelhaft. Aber die Deckung für den Mietwagen im Urlaub ist eine gute und günstige Sache. Denn das kostet vor Ort oft ein Vielfaches. Diese Liste lässt sich fast unendlich fortsetzen. Prüft bitte, was Euch wichtig ist.
  • Marderschäden – sind nur die Schäden versichert, die ein Marder durch seinen Biß verursacht? Oder gilt die Deckung auch für Folgeschäden? Einem Bekannten von mir hat ein Marder vor ein paar Jahren in die Zündkabel gebissen. Dadurch kam es zu Fehlzündungen, die den Katalysator beschädigten. Leider hatte der Gute nur direkte Marderschäden versichert. Daher durfte er vor der nächsten HU den neuen Katalysator aus eigener Tasche bezahlen. Die Kosten überstiegen die Ersparnisse bei der Versicherung bei Weitem.

Insofern ist vor dem Wechsel einer Kfz-Versicherung meiner Meinung nach immer eine genaue Analyse gefragt. Denn sonst bleibt von den „mehreren Hundert Euro“ aus der Werbung beim Wechsel der Kfz-Versicherung nichts übrig. Oder noch schlimmer, am Ende ist die Wechsel-Arie ein Eigentor und lässt Euch im Schadensfall richtig draufzahlen.




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