Am vergangenen Wochenende feierte der AMC Diepholz den 50. Geburtstag seines legendären Flugplatzrennens. Leider fand die Feier nicht auf dem Gelände des Fliegerhorst Diepholz statt. Der AMC Diepholz wich auf den Marktplatz aus. Dort gab es mit einer Fahrzeug-Parade und bei interessanten Gesprächsrunden jede Menge Erinnerungen zum Flugplatzrennen Diepholz zu sehen, zu hören und zu bestaunen. Wir haben passend dazu ein Video aus den Anfangstagen des Rennens ausgegraben.

Diepholz war für mich ab Mitte der 1980er-Jahre einer der wenigen Links in die große weite Welt des Motorsports. Denn ich bin in Kiel aufgewachsen. Das reduzierte einfach die Möglichkeiten, die Stars des großen Motorsports live zu erleben. Die Fahrt zum Nürburgring oder nach Hockenheim war immer eine Tagesreise – pro Strecke. Diepholz lag deutlich näher. Das hatte den Vorteil, dass Du nach dem Rennen noch am gleichen Tag noch zurück nach Hause fahren konntest.

Das sorgte dafür, dass das Flugplatzrennen Diepholz über Jahre ein Fixpunkt in meinem Jahres-Kalender war. Ab Mitte der 1980er-Jahre ging es fortan im Sommer regelmäßig nach Niedersachen. Und so sah ich im Herzen der norddeutschen Tiefebene im Laufe der Zeit unter anderem Stars wie Hans-Joachim Stuck, Klaus Ludwig oder Jean-Louis Schlesser fahren.

Im Diepholz fuhren (fast) alle Rennwagen meiner Jugend!

Spannend auch, in welchen Fahrzeugen die im Laufe der Zeit unterwegs waren. Denn beim ersten Besuch in Diepholz traten hier Tourenwagen wie der Volvo 240 Turbo, der Ford Sierra XR4Ti, über den ich bei meinem Bericht zu den Classic Days Schloss Dyck kürzlich erst schrieb, oder das BMW 635 Csi Coupé. Später sah ich dann in Diepholz erstmals die Boliden der Gruppe C selbst an der Strecke vor Ort. Heute bezeichnet das größte Lexikon der Welt mich als Experten für diese Rennwagen. Das hätte ich vor 30 Jahren auch nicht gedacht.

Aber unabhängig davon war es eindrucksvoll, wie die schnellen Sportprototypen über den rund 2,7 Kilometer langen Kurs jagten. Das erinnerte an den berühmten Hubschrauberflug im Wohnzimmer, mit dem Nelson Piquet einst das Formel-1-Rennen in Monaco verglich. Denn die Sportprototypen entstanden natürlich hauptsächlich für die 24 Stunden von Le Mans. Dort ging es damals auf der „Mulsanne Straight“ sechs Kilometer gerade aus. In Diepholz entsprach diese Strecke mehr als zwei Runden.

Meine erste „Begegnung“ mit Michael Schumacher

1991 sah ich in Diepholz auch Michael Schumacher am Lenkrad drehen. Um den Sieg des späteren Weltmeisters in der Formel König auf dem Heidbergring brachte mich 1988 der Grundwehrdienst der Bundeswehr. Da gab es am Wochenende nicht frei. Das Rennen auf der kurzen Strecke östlich von Hamburg war für mich nicht erreichbar. Weshalb der Kurzauftritt von Schumacher im DTM-Mercedes in Diepholz das erste Mal war, dass ich Michael Schumacher live an der Rennstrecke am Lenkrad drehen sah.

Ich muss, wenn ich das nächste Mal zu Hause bei meinem Vater in Kiel bin, mal gucken, ob wir noch Fotos aus Diepholz haben. Bis dahin muss das Video von Radio Bremen reichen. Es entstand 1970 und erinnert damit an die Anfänge des Rennens. Damals drehten in Diepholz überwiegend Hobby-Fahrer ihre Runden. Wobei der Eindruck des Videos etwas täuscht, denn das Rennen in Niedersachsen zählte schon 1969 – bei der zweiten Ausgabe des Rennens – zur damaligen „Deutsche Automobil Rundstrecken Meisterschaft“ (DARM).

Von der DARM, über die DRM, dem Supercup bis zur DTM/ITC

In den Ergebnislisten finden sich damit Stars wie Dieter Glemser, Clemens Schickentanz, Michael Kranefuss oder Johann Abt. Als 1972 aus der DARM die Deutschen Rennsportmeisterschaft (DRM) wird, ist Diepholz dabei. Damit tragen sich Dieter Basche (Division 2), Hans-Joachim Stuck (Division 1) und Jürgen Barth (im GT-Rennen) in die Siegerlisten von Diepholz ein. In den folgenden Jahren holt Rennleiter Peter Rumpfkeil, der im Video kurz zu sehen ist, zahlreiche weitere Stars nach Diepholz.

Auf die DRM folgte die „Internationale Produktionswagen Meisterschaft“. Aus ihr wurde 1986 die DTM. Zusammen mit der DTM rannte der von 1986 bis 1989 ausgetragene ADAC Supercup ab 1987 auch in Diepholz. Damit kehrte die Gruppe C in Diepholz ein. Diepholz blieb der DTM auch treu, als aus der DTM die ITC wurde. Während im nahen Wunstorf ab 1994 nur noch der Super-Tourenwagen-Cup (STW) rannte, traten DTM/ITC bis zum bitteren Ende 1996 in Diepholz an. Den letzten Auftritt der wohl technisch höchstentwickelten Tourenwagen-Meisterschaft, die es je gab, verfolgten 60.000 Zuschauer auf dem Fliegerhorst.

Das Ende kam mit der German-Top-10

Nach dem Aus der DTM/ITC fuhr 1997 die sogenannte German-Top-10 in Diepholz. Doch bei aller Begeisterung für Formel Renault, Formel Ford und Formel König oder Markenpokale von Ford (Escort), Porsche und Citroën (Saxo) sowie die Deutsche Tourenwagen-Challenge (DTC), die großen Zeiten waren damit in Diepholz vorbei. Mit der 31. Ausgabe, wieder mit der German-Top-10 auf der Strecke, endete 1998 die Renntradition in Diepholz.

Es wäre gewiss toll gewesen, diesen Geist zurück auf den Fliegerhorst zu holen. Doch das war leider nicht möglich. Die „Sicherheitslage“ lässt solche Veranstaltungen auf einem Militärgelände nicht mehr zu. Interessanterweise war das ausgerechnet während des Kalten Krieg anders. Denn selbst während der Konfrontation zwischen dem Westen und dem Ostblock war es möglich, auf Bundeswehr-Flugplätzen zu rennen. 2018 geht das nicht mehr. So richtig verstehen kann das eigentlich niemand.

 

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Ford Capri aus der ehemaligen DRM

Foto: Tom Schwede