24-Stunden-Rennen begeistern weltweit die Fans. Ob in Daytona, Le Mans, am Nürburgring oder in Spa, die Fans des Langstreckensports erleben glorreiche Tage. Bei den GT-Fahrzeugen sorgt die GT3-Klasse, die am Ring und in den Ardennen zum Einsatz kommt, eine große Typenvielfalt und volle Starterfelder. Das gefällt den Fans. Sie strömen in Scharen an die Strecken. Oder sie verfolgen die Rennen am Fernseher oder über Live-Streams im Internet.

Alles gut? Nein!

Bei den 24-Stunden von Spa sorgten an diesem Wochenende fünf Unfälle für vier Saftey-Car-Phasen und eine Unterbrechung mit der roten Flagge. Das Rennen war noch keine zwei Stunden alt, da hatten Vyacheslav Maleev, Tim Mullen und Karim Ojjeh ihre Fahrzeuge nachhaltig verschrottet. Während der Russe und der Saudi ihren Wracks unverletzt entsteigen konnten, war der Zustand von Tim Mullen zunächst unklar. Inzwischen ist klar, dass der Brite das Krankenhaus nach einem kurzen Check verlassen konnte.

Besonders der Unfall von Vyacheslav Maleev verdeutlicht alle Probleme der Szene. Wer in Spa wie Maleev in der Eau Rouge innen über die Randsteine fährt, muss sich nicht wundern, die Kontrolle zu verlieren. Der ausgehebelte Ferrari 458 machte seinen Piloten zum Passagier. Wohlgemerkt, der 52-Jährige war zu diesem Zeitpunkt alleine auf der Strecke unterwegs. Der Russe wurde nicht von einem Kontrahenten abgedrängt oder irritiert.

Wäre es bei diesem Unfall geblieben, hätte ich gesagt, Herrenfahrer und ihre Unfälle sind seit Beginn Teil des Langstreckensports. Doch die Häufung der Unfälle macht nachdenklich. Denn kaum hatten die Streckenposten nach dem Unfall von Karim Ojjeh die Strecke freigeräumt, kam es erneut zum Crash. Unmittelbar nach dem Neustart kam es – wieder in der Eau Rouge – zu einem Unfall, der gleich vier Autos aus dem Rennen riss.

Auch hier saßen mit Andrew Howard, Alex Demirdjian, Andrew Danyliw und Tim Müller eher „Spätberufene“ am Steuer. Offensichtlich hatte keiner der vier Piloten genügend Erfahrung, um bei einem Neustart eines 24-Stunden-Rennens kühlen Kopf zu bewahren. Knapp 21 Stunden vor dem Ende des Rennens waren damit sieben Autos durch Unfälle eleminiert.

Doch damit nicht genug!

Kurz nach 21 Uhr kollidierten im Streckenabschnitt Stavelot zwei Ferrari. Auch die bei diesem Unfall beteiligten Piloten verdienen das Prädikat „Herrenfahrer“. Über Vadim Kogay sagen böse Zungen, dass der schwerreiche Russe nicht am Start war, wenn er nicht mindestens einmal für gelbe Flaggen verantwortlich war. Gestern traf Kogay auf der Strecke auf den Briten Marcus Mahy.

Was genau passiert ist, ist unklar. Fakt ist, dass der Brite nach dem Unfall, wie der Veranstalter es ausdrückte, „stabilisiert“ werden musste. Anschließend flog ein Rettungshubschrauber den Briten ins Krankenhaus nach Lüttich. Inzwischen gibt es zum Glück die Nachricht, dass Marcus Mahy aus dem künstlichen Koma erwacht und ansprechbar sei.

So darf es nicht weitergehen!

Keiner der Unfälle passierte im Vorderfeld. Mit Ausnahme des Unfalls von Tim Mullen waren ausschließlich lupenreine Amateure an den Unfällen beteiligt. Nur mit Zufall ist das nicht zu erklären. Offensichtlich liegt die Latte bei den GT3-Fahrzeugen auf einem Niveau, das einige der Teilnehmer deutlich überfordert. Trotzdem sitzen auch sie in schnellen Fahrzeugen. Geld ersetzt das fehlende Talent.

Die Entwicklung ist nicht verwunderlich. Schließlich haben die Werke die GT3-Klasse für sich entdeckt. Bei allen beteiligten Herstellern gibt es Teams mit Werksunterstützung. Neben der technischen und finanziellen Unterstützung stellen die Werke Fahrer. Das macht – Balance of Performance hin oder her – das Tempo auf der Strecke schneller. Gleichzeitig füllen die Amateure weiter die Felder auf. Meine Erfahrung sagt mir, dass sich da ein gefährlicher Sprengstoff zusammenbraut.




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