Geiz ist nicht immer geil. In einigen Bereichen bestätigen Tests regelmäßig einen Zusammenhang zwischen dem Preis und der Qualität. Der ADAC und die Stiftung Warentest weisen jetzt auf teilweise erhebliche Sicherheitsprobleme bei günstigen Kindersitzen und Babyschalen hin. Mehr als die Hälfte der geprüften Kindersitze erhielt die Note „mangelhaft“. Besonders beim Frontal- und Seitencrash zeigten die Sitze große Schwächen. Nur eine Babyschale, die weniger als 70 Euro kostet, erhielt die Note „gut“.

Kindersitze gibt es in allen Farben, Formen und Preisklassen. Sowohl der Online-Handel als auch die großen Supermarktketten versprechen zudem meist einen „optimalen Seitenaufprallschutz“. Egal, was der Sitz kostet. Der ADAC und die Stiftung Warentest haben jetzt ausgewählte Kindersitze getestet, deren Verkaufspreis im Handel unter 70 Euro liegt.

Mit nur zehn getesteten Sitzen ist das aufgrund der Vielzahl der tatsächlich am Markt verfügbaren Produkte sicherlich nur eine Stichprobe, trotzdem machen die Ergebnisse hellhörig. Denn sechs der zehn Sitze bezeichnen die Tester als „mangelhaft“. Bei drei Sitzen brachen im Test die Rückenlehnen oder rissen die Gurte aus den Halterungen. Wohlgemerkt bei Sitzen, die die für Kindersitze gesetzlich vorgeschriebene ECE-R44-Norm für Kinder-Rückhaltesysteme erfüllen.

Ein Seitenaufpralltest ist, trotz der anders klingenden Werbebotschaften, nach Auskunft des ADAC kein Bestandteil des gesetzlichen Prüfverfahrens. Für den ADAC ist das Erfüllen der ECE-Norm daher kein Zeichen für einen sicheren Sitz. Der Autoclub hat eigene Testkriterien definiert. Testet alle Kindersitze bei einem Frontalcrash mit 64 km/h sowie ein Seitenaufprall mit 50 km/h.

Damit lag die auch Geschwindigkeit des Frontalcrashs über den gesetzlich definierten Anforderungen. Womit prompt zwei der „mangelhaften“ Sitze beim Frontaufpralltest durchfielen. Der ADAC bezeichnet die Stichprobe als Alarmsignal. Der Automobilclub rät daher zur Vorsicht bei Sitzen im unteren Preissegment von wenig bekannten Marken, die ohne Beratung im Handel angeboten werden.

Auffällig sei auch, dass die Marken nicht durchgängig gut oder schlecht waren. So erhielt die Babyschale Nania Beone SP als einziges Produkt im Test die Gesamtnote „gut“. Sie ist sehr leicht und erzielt überzeugende Crashwerte. Bei dem unter dem gleichen Markennamen angebotenen Sitz Nania Safety Paris SP für Kinder bis 18 Kilogramm (bis ca. vier Jahre) zerbrach die Sitzschale beim Frontalaufprall – das Kind könnte bei einem Unfall ungeschützt nach vorne schleudern.

Alle Ergebnisse finden Sie jetzt im Internet-Auftritt des ADAC.

 

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Autoclubs und Verbraucherorganisationen raten immer wieder, beim Kauf von Kindersitzen nicht auf den letzten Euro zu achten. (Foto: GTÜ / pixelio.de)

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