Otto Merz 1927
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Der Nürburgring ist verkauft, die Schulden bleiben und Kurt Beck bekommt eine stattliche Pension. Ist das eigentlich fair?

Ich bleibe dabei. Der Verkauf des Nürburgrings ist keine gute Nachricht. Selbst wenn mit einem Autozulieferer vermutlich das kleinste Übel der möglichen Kandidaten den Zuschlag erhalten hat. Es ist meiner Meinung nach einfach falsch, eine öffentliche Sportstätte an einen privaten Investor zu verkaufen.

Fast 80 Jahre hat der Nürburgring dem Staat gehört. Die meiste Zeit hat das hervorragend funktioniert. Seit Anfang an haben sich Politiker im Glanz der großen Rennveranstaltungen gesonnt. Haben dafür gesorgt, dass der Betrieb weiter ging. Offensichtlich war Männern wie Konrad Adenauer oder Helmut Kohl der Wert des Rings für die Region bekannt. Und auch die jüngste Generation von Politiker hat von diesen Werten geredet. Wollte den Wert sogar erhöhen, indem aus dem Ring ein ganzjährig nutzbarer Freizeitpark werden sollte.

Das Ergebnis ist bekannt. Der Kapitalmarkt wollte diese Visionen nicht glauben. Die öffentliche Hand stellte auch noch die Finanzierung sicher. Fast eine halbe Milliarde wurde verbaut. Sinnlos verbaut und am Ende war die Betreiber-GmbH insolvent, weil mit dem normalen Betrieb die Zins- und Tilgungslast für die sinnlosen Bauten nicht zu bedienen ist. Am Ende wird der Ring, anders mag ich es nicht nennen, an einen privaten Investor verscheuert.

77 Millionen zahlt der für den Ring. Für die Nordschleife und die Grand-Prix-Strecke sowie alle Nebenbauten. Das ist ein echtes Schnäppchen! Der Bau einer 5,4 Kilometer langen Umgebungsstrasse kostet in diesem Land schonmal 41,1 Millionen. Das sind 7,6 Millionen pro Kilometer. Diesen Preis auf die Strecke umgelegt, müsste der Ring 190 Millionen kosten – mindestens.

Rund 450 Millionen sind endgültig abzuschreiben

Selbst nach dem Verkauf bleibt jetzt ein großes Finanzloch zurück. Denn von den 77 Millionen werden zunächst die Kosten des Verfahrens bestritten. Insolvenzverwaltung ist ein lukratives Geschäft. Hoffen wir mal, dass 2/3 des Verkaufserlöses für die Insolvenzmasse übrig bleibt. Das wäre gut 50 Millionen. Die werden unter den Gläubigern verteilt. Bei einer halben Milliarde Schulden wären das gut zehn Prozent, die an die beteiligten Banken zurückfließen.

Das Wort „abzuschreiben“ klingt harmlos. Ist es aber nicht. Es bedeutet, dass das Geld (einfach) weg ist. Das kommt – nach dem Abschluss des Verfahrens – auch nicht wieder. Denn die Gewinne, die das Kerngeschäft Ring macht, fließen ja jetzt in die Kassen eines privaten Investors. Der will nämlich, dass sich seine Investition rentiert. Und es ist ja auch grundsätzlich in Ordnung, wenn sich unternehmerisches Engagement lohnt. Davon leben wir – als Arbeitnehmer und Bürger – alle gut.

Die Hoffnung liegt in Europa!

Trotzdem halte ich es für falsch, dass sich ein Unternehmen in das über Jahrzehnte mit Steuermitteln gebaute Nest setzt. Das ist eine Subvention, die nicht richtig sein kann. Insofern bleibt die – wenn auch nur sehr kleine – Hoffnung, dass die EU-Kommission das auch so sieht und dem Verkauf nicht zustimmt.

Unabhängig davon sollten wir die Frage diskutieren, wie Politiker für solche unternehmerischen Fehlentscheidungen zur Verantwortung gezogen werden. Denn verantwortlich für das Debakel sind die Mitglieder der ehemaligen Regierung von Kurt Beck. Sie haben mit ihren sinnlosen politischen Entscheidungen den Weg des Nürburgrings in private Hände letztlich herbeigeführt.

Und sie sind dafür verantwortlich, dass die beteiligten Banken ihr Geld zu (vermutlich) 90 Prozent abschreiben müssen. Inzwischen zurückgetreten beziehen sie – zum Teil bereits heute – stattliche Ruhegelder. Nach den Berechnungen der „Allgemeinen Zeitung – Rhein Main Presse“ bezieht alleine Kurt Beck ein Ruhegehalt von freundlichen 8.426 Euro. Zudem darf der ehemalige Ministerpräsident drei Jahre lang auf unsere Kosten eine Sekretärin und einen halben Referenten beschäftigen sowie einen Dienstwagen nutzen.

Alles auf unsere Kosten versteht sich!

Ich wäre ja dafür, Kurt Beck und den anderen beteiligten Politikern die Pension zu pfänden. Das wäre zwar auch eine Rechnung mit der linken und der rechten Tasche, hätte aber eine große symbolische Bedeutung. Und nebenbei, mit dann monatlich rund 2.300 Euro, die Ihnen dann immer noch verbleiben würden, kommen zahlreiche andere Menschen auch aus, Herr Beck!


Otto Merz 1927Infos zum Titelbild:
Großer Preis von Deutschland für Sportwagen auf dem Nürburgring, 17. Juli 1927. Otto Merz (Startnummer 8) mit einem Mercedes-Benz Typ S. Gesamtsieger in der Klasse der Sportwagen über 3-Liter. (Foto: Mercedes-Benz)
Großer Preis von Deutschland für Sportwagen auf dem Nürburgring, 17. Juli 1927. Otto Merz (Startnummer 8) mit einem Mercedes-Benz Typ S. Gesamtsieger in der Klasse der Sportwagen über 3-Liter. (Foto: Mercedes-Benz)
 

2 Kommentare

  1. Ein dunkler Tag für den Motorsport in Deutschland… :-(
    Bleibt nur zu hoffen, dass Capricorn ein Herz für den Erhalt des Rings hat.

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