Japanische Autos gehören inzwischen überall zum Straßenbild. Doch das war nicht immer so. Wir sind der Frage nachgegangen, wann die Japaner eigentlich nach Deutschland kamen.

Früher war der Automarkt einfach. Wer alte Straßen-Fotos aus den 1960ern oder 1970ern betrachtet, der erkennt zumindest im Westen oft viele Käfer und gern auch einige Mercedes. Zudem fällt auf, wie viele Opel und Ford früher auf unseren Straßen unterwegs waren.

Ausländische Autos gab es, doch die kamen meist aus Frankreich oder Italien. Oder ganz selten auch mal aus dem von mir bevorzugten Großbritannien oder den USA. Erst in den 1970er-Jahren verschoben sich die Marktanteile dramatisch. Mit der Ölkrise waren auch im Autoland Deutschland plötzlich kleinere und sparsamere Autos gefragt.

Eine Lücke, die besonders die Japaner gern schlossen. Das lange rückständige Kaiserreich Japan hatte erkannt, dass die Automobilindustrie sich hervorragend als Wachstumsmotor für eine ganze Volkswirtschaft eignet. Die japanischen Unternehmen setzten früh auf rationelle Fertigungsmethoden und eine hohe Gleichteilquote. In Verbindung mit günstigen Wechselkursen entstand dadurch in kurzer Zeit ein mächtiger Herausforderer für die etablierten Unternehmen.

Den Anfang macht Honda

Als erster japanischer Hersteller wagte Honda den Schritt nach Deutschland. Bereits 1961 gründete das Unternehmen in Hamburg die European Honda Motor Trading GmbH. Als Geschäftsführer agierte zunächst Unternehmensgründer Soichiro Honda persönlich. Angeboten wurden Kleinmotoren und Motorräder.

Als Honda einige Jahre später mit der Autoproduktion begann, wurde die Europazentrale in Hamburg auch zum Umschlagplatz für die Autos. Soichiro Honda, der nicht nur ein begnadeter Techniker, sondern auch ein Marketing-Fachmann war, hatte von Anfang an Deutschland im Blick. Zur Präsentation des S 500, einem kleinen Sportwagen mit Kettenantrieb, mietete Honda einen Rheindampfer.

Honda 1968
Fototermin im Sommer 1968 bei Honda: Soichiro Honda (sitzend, 4.v.l. – Foto Honda)

Das blieb mehr in Erinnerung als das erste Auto der Japaner. Ein Auto, das Honda übrigens zunächst nur in Länder wie Italien oder die Schweiz lieferte. Erst mit dem S 800 bot Honda ab 1967 auch offiziell ein Auto in Deutschland an. Doch der Sportwagen setzte Trends, war jedoch nicht geeignet, um die Masse zu begeistern. Dies gelang Honda nach dem Misserfolg mit dem N 360 erst ab Mitte der 1970er-Jahre mit dem Civic. Als Honda 1976 das Programm mit der Mittelklasselimousine Accord erweiterte, war der Durchbruch endgültig geschafft.

Toyota folgt 1971

Toyota, Japans größter Autobauer benötigte etwas länger als Honda, um den Schritt nach Deutschland zu wagen. Durch eine Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Bushersteller Salvador Caetano nahm Toyota bereits 1970 die Produktion des Toyota Corolla in Europa auf. Später fertigte Salvador Caetano auch den Toyota Corona und das Nutzfahrzeug Dyna.

Toyota Corolla 1974-79
Toyota Corolla 1974-79: Auch bei Toyota war es ein Kleinwagen, der den Durchbruch in Deutschland brachte. (Foto: Toyota)

Doch das Geschäft blieb zunächst schwierig. Mit der Ölkrise nahm das Wachstum ab. Ab 1971 bot Toyota seine Fahrzeuge auch in Deutschland an. Zunächst über einen freien Importeur. Erst nach drei Jahren nahm die Toyota Motor Corporation das Geschäft in die eigene Hand. Die 1975er Celica meines Vaters war eines der ersten Fahrzeuge, die die TMC in Kiel verkaufte.

Wo Toyota ist, da ist auch Nissan

Ein Jahr nach Toyota nahm auch Nissan 1972 den Verkauf in Deutschland auf. Unter dem Markennamen Datsun setzte das 1911 gegründete Unternehmen wie in den USA auf den Datsun 240Z als Imageträger. Dazu hatte Nissan am Anfang den Sunny im Programm.

Datsun Sunny Coupé (1978)
Bei Nissan war der Datsun Sunny, hier ein Coupé von 1978, ein wichtiger Erfolgsbaustein. (Foto: Nissan)

Der Kleinwagen galt als besonders sparsam, belegte der Sunny doch 1973 in einem von der US-Umweltbehörde organisierten Benzinverbrauchstest den ersten Platz. Das interessierte auf den Höhepunkt der Ölkrise auch in Deutschland. 1982 war Nissan vorübergehend sogar der erfolgreichste der Japaner in Deutschland.

Mazda gewinnt den ersten wichtigen Vergleichstest

Etwa zeitgleich mit Nissan kam auch Mazda nach Deutschland. Mit den Modellen 616, 818 und RX-3 bot Mazda von Anfang an drei unterschiedliche Fahrzeuge in Deutschland an. Durch attraktive Preise genoss die Marke aus Hiroshima bald einen guten Ruf unter kostenbewussten Autofahrern.

Mazda RX-3 Coupé - Baujahr 1973
Neben der Brot- und Butterware Mazda 616 und 818 bot Mazda 1973 auch das Mazda RX-3 Coupé an. (Foto: Mazda)

Der Trick, Mazda bot die Fahrzeuge von Beginn an komplett ausgestattet an. Zudem folgte mit der kleinen Stufenhecklimousine 1000/1300 schon 1973 ebenfalls ein Kleinwagen, der in einer Zeit hoher Öl- und Benzinpreise reißenden Absatz fand. Ein Trend, der auch anhielt, als 1977 aus dem 1000/1300 der Mazda 323 wurde.

Mit dem Mazda 626 eroberte Mazda zudem die Mittelklasse. Als erster Japaner gewann Mazda mit dem 626 einen Vergleichstest der Fachzeitschrift „auto motor und sport“ gegen die etablierte Konkurrenz. Und als 1989 der Mazda MX-5 eine längst vergessene Sportwagentradition wiederbelebte, schaffte es Mazda sogar, emotionale Akzente zu setzen.

1980 begann auch die Geschichte von Suzuki in Deutschland

Mit dem LJ80 brachte Suzuki 1980 einen kleinen eigentlich für die australische Armee entwickelten Geländewagen nach Deutschland. Die zivile Version wurde schnell weltweit zum Spaßmobil. Zum spartanischen Konzept gehören 800 Kilogramm Gewicht und 3,20 Meter Länge. Damit kann der Kleine seinen Ursprung als Einsatzfahrzeug für Fallschrimjäger nicht verstecken. Trotzdem oder deswegen begeisterte der „Eljot” bald Surfer, Hippie und andere Großstadt-Cowboys.

Suzuki LJ80
Der Suzuki LJ80 war der erste Suzuki, der in Deutschland angeboten wurde. (Foto: Suzuki)

Vom Erfolg des LJ80 beflügelt brachte Suzuki ein Jahr später auch den Kleinwagen Alto nach Deutschland. Ihm folgen der Swift, der Vitara und die LJ80-Nachfolger SJ410 und Samurai. Bis heute behauptet sich Suzuki als Spezialist für Kleinwagen und Modelle der Kompaktklasse. Allerdings bietet Suzuki mit dem Grand Vitara und dem in der Mittelklasse positionierten Suzuki Kizashi inzwischen auch etwas größere Fahrzeuge an.

Und dann waren da noch Isuzu, Subaru und Mitsubishi

Der Fahrzeugbauer Isuzu aus der Nähe von Tokio versuchte ebenfalls, Anfang der 1980er-Jahre in Deutschland Fuß zu fassen. Angeboten wurden der Geländewagen Trooper und der kompakte Gemini. Doch nachhaltiger Erfolg erzielte die Marke mit diesem Programm nicht. Anfang der 1990er Jahre beschloss das Unternehmen den Ausstieg aus der Fertigung von Personenkraftwagen.

Über den Anteilseigner General Motors (GM) fanden die Geländewagen des Hauses als Opel Monterey und Opel Frontera weiter ihren Weg nach Deutschland. Seit GM die Beteiligung an Isuzu 2006 aufgab, tritt das Unternehmen wieder selbständig in Deutschland auf. Angeboten werden neben Nutzfahrzeugen weiter Geländewagen und Pick-ups.

Subaru, die Autosparte des Großkonzerns Fuji Heavy Industries, fand seinen Weg als konsequenter Verfechter des Allradantriebs. Das geht auf eine Ausschreibung der japanischen Elektrizitätsgesellschaft Tohoku Electric Su Company zurück, die einen Allrad-Pkw für die Servicetechniker in Japans Bergen suchten. Subaru entwickelte den Leone Station Wagon 4WD und erhielt den Auftrag.

1979 wagte Subaru damit den Schritt in die Schweiz. Ein Jahr später folgte die Eröffnung eines Büros in Bad Hersfeld. Dabei konzentrierte sich Subaru von Anfang an auf Allrad-Fahrzeuge. Erst der im Herbst 2007 eingeführte Justy diese Tradition beendete.

Ähnlich wie Subaru entwickelte sich auch Mitsubishi Motors aus einem Großkonzern heraus. Die Geschichte der Marke mit den Diamanten ist so umfangreich, dass ich dazu besser in den kommenden Tagen einen weiteren Beitrag poste.

 

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Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Autobahn bei Pforzheim 1964 (Foto Hans Lachmann, Bundesarchiv, CC-3.0)

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