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BBC stellt Jeremy Clarkson kalt – Ist der beliebte Moderator das Bauernopfer politischer Diskussionen?

Jeremy Clarkson (r.) mit seinen Kollegen James May und Richard Hammond bei den Dreharbeiten zur vorerst letzten Top Gear Folge in der vergangenen Woche. (Foto: FIA World Rallycross Championship)

Jetzt ist es passiert: Die BBC suspendiert Jeremy Clarkson. Die Top Gear Sendung am kommenden Sonntag fällt aus.

Die Suspendierung hat eine lange Vorgeschichte. Jeremy Clarkson hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach in die Nesseln gesetzt. Sein loses Mundwerk und sein Hang zu politisch nicht immer korrekten Witzen führten immer wieder zu Kontroversen. Im vergangenen Herbst nannte der Komiker Frankie Boyle den Moderator einen kulturellen Tumor. Boyle stießen besonders die rassistischen Entgleisungen Clarksons auf.

Die rassistischen Entgleisungen von Jeremy Clarkson

Vor einem Jahr sagte Jeremy Clarkson nach dem Bau einer Brücke über den River Kwai „That is a proud moment, but there’s a slope on it.“. Klingt harmlos und nach einem typischen Clarkson. Das Problem war, dass im Hintergrund gerade ein Einheimischer über die Brücke lief. Die BBC belegte den Moderator daher mit einer empfindlichen Strafe, weil sie die Aussage als rassistisch empfand. Im Herbst folgte dann bei einer Kameraprobe der rassistische Reim: „Eeny, meeny, miny, moe/Catch a n***** by his toe“. Das rief ebenfalls eine große Entrüstung hervor. Die BBC zeigte ihrem Star daher die Gelbe Karte. Es gab Stimmen, die das als zu wenig empfanden. Trotzdem blieb Jeremy Clarkson im Amt. Auch als es kurze Zeit in Argentinien zum Eklat kam.

Wohl auch, weil das aktuelle Konzept der Sendung ohne Jeremy Clarkson nicht funktioniert. Denn fast alles in der Sendung ist auf ihren Star zugeschnitten. Die Kollegen Richard Hammond und James May sind als Stichwortgeber und Blitzableiter nur Randfiguren. Je nach Situation paktiert Jeremy Clarkson dabei mit einem der Zwei, um den jeweils anderen in die Pfanne zu hauen. Damit leben alle gut. Die BBC hat rund um die Sendung ein eigenes „Medienimperium“ gestrickt. Neben einer Zeitschrift gibt es eine Bühnenshow, die durch die Welt tingelt. Der öffentlich-rechtliche Sender darf gar keine Werbung im Programm zeigen. Das machte die Ableger der Sendung zu wichtigen Einnahmequellen, um die teure Sendung zu finanzieren.

Warum stellt die BBC Jeremy Clarkson jetzt kalt?

Offiziell heißt es „Jeremy Clarkson habe eine Auseinandersetzung mit einem Produzenten der Sendung gehabt“. Jedes weitere Statement verweigert die BBC zurzeit. Die Auseinandersetzung sei Gegenstand einer internen Untersuchung. Mindestens bis zum Abschluss der Untersuchung sei Jeremy Clarkson suspendiert. Die für kommenden Sonntag angekündigte Sendung fällt aus.

„… Following a fracas with a BBC producer, Jeremy Clarkson has been suspended pending an investigation … The BBC will be making no further comment at this time …“

Interessant, dass die Suspendierung genau Jetzt passiert. Denn die BBC kämpft an mehreren Fronten um ihre Existenz. Großbritannien führt zurzeit eine Diskussion um die Rundfunkgebühren. Erst vor ein paar Tagen beschloss die Politik, die von Kritikern geforderte Umstellung auf ein Abo-Modell (noch) nicht einzuführen. Gleichzeitig wurde die BBC aufgefordert, Kosten zu sparen.

Immer wieder fiel in diesem Zusammenhang auch der Name der Sendung Top Gear. Denn die Autosendung verfügt im Sender mit Abstand über das höchste Budget. Im Innenleben der BBC sorgt das schon länger für viel Neid. Wohl auch, weil die Top Gear Moderatoren mit ihrer Popularität teilweise die Sendeanstalt überstrahlen. Insofern ist die Suspendierung von Jeremy Clarkson vermutlich auch Teil einer größeren und komplexeren Diskussion. Das macht den Moderator möglicherweise zum Bauernopfer politischer Diskussionen.

Ich bin wirklich gespannt, wie das weitergeht. Denn ein endgültiger Rauswurf von Jeremy Clarkson ist das Ende von Top Gear – wie wir es heute kennen. Eigentlich unvorstellbar, aber das war ein Van von BMW vor kurzer Zeit ja auch noch.


Jeremy Clarkson (r.) mit seinen Kollegen James May und Richard Hammond bei den Dreharbeiten zur vorerst letzten Top Gear Folge in der vergangenen Woche. (Foto: FIA World Rallycross Championship)Infos zum Titelbild:
Jeremy Clarkson (r.) mit seinen Kollegen James May und Richard Hammond bei den Dreharbeiten zur vorerst letzten Top Gear Folge in der vergangenen Woche. (Foto: FIA World Rallycross Championship)
Jeremy Clarkson (r.) mit seinen Kollegen James May und Richard Hammond bei den Dreharbeiten zur vorerst letzten Top Gear Folge in der vergangenen Woche. (Foto: FIA World Rallycross Championship)
 

2 Kommentare

  1. Interessant das gerade der „urbritische“ Sender BBC scheinbar solche finanziellen Schwierigkeiten hat.
    Nun ich vermute es ist wie überall, wo man viel Geld in sehr gute Produktionen steckt.
    Da bleibt halt nicht so viel über wie bei deutschem „Assi-TV“.

    Erstaunlich finde ich wie viel Wirbel um solche lächerlichen Rassismusvorwürfe gemacht wird. Gerade bei einer Sendung die darauf ausgelegt ist, eine Art Comedy-Komponente zu enthalten. Schließlich würde doch wohl kein normaler Mensch argumentieren das TopGear seriöse Autotests macht.

    Trotz alledem vermute ich auch weiterhin, dass man gerade mit solchen Meldungen und Aktionen eher Werbung für die Sendung macht. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen das viel von dieser „Kaltstellung“ gestellt ist um das Medieninteresse und damit die Einschaltquoten zu erhöhen.

    Schließlich wissen wir doch alle, dass TopGear ohne ihn, in den Analen der Geschichte verschwinden wird.
    Ähnlich wie TopGear Australien oder TopGear USA wäre es eine inhaltsschwache Sendung ohne die so wichtigen bleibenden Gesichter und Charakterpersonen.

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