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300 SL – Super-Leicht zur Legende

Mercedes-Benz Typ 300 SL (Baureihe W 194) aus dem Jahr 1952 (Fotos: Mercedes-Benz Classic)

Zu den wichtigsten Auto, die im Autojahr 2012 einen runden Geburtstag feiern, gehört zweifelsfrei der „Mercedes SL“. Heute vor genau 60 Jahren wurde der Mercedes-Benz Sportwagen Typ 300 „SL“ für „Super-Leicht“ auf einer Autobahn erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit diesem Supersportwagen seiner Epoche meldete sich das Stuttgarter Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg eindrucksvoll im internationalen Motorsport zurück.

Gerade sieben Jahre nach dem Ende des Kriegs gehörten in weiten Teilen Europas Trümmerlandschaften noch zum Alltagsbild. Doch die zunehmende wirtschaftliche Erholung lies im Mercedes-Vorstand die Überzeugung reifen, dass man nun auch im Motorsport einen Neuanfang wagen könne. Mit Teilen des Mercedes-Benz 300 S (Werksbezeichnung W 188) entstand in den Werkshallen der Firma das passende Renngerät. Gesetzt waren der Motor und das Getriebe der 1951 vorgestellten Repräsentationslimousine, die wegen ihres Einsatz als Dienstfahrzeug des ersten deutschen Bundeskanzlers bis heute meist nur als „Adenauer-Mercedes“ bezeichnet wird.

Für den Einsatz im SL wurde der in der Limousine 115 PS starke Vergaser-Motor mit einer Doppelvergaser-Anlage und überarbeiteten Zylinderköpfen auf 175 PS getunt. Das Getriebe und die Achsen wurden weitesgehend unverändert aus dem „Adenauer“ übernommen. Um Gewicht zu sparen, entschied man sich für den Einsatz eines extrem leichten Gitterrohrrahmen. Dank dünner Rohre, die zu vielen kleinen Dreiecken zusammengesetzt wurden, brachte das Rückgrat des ersten „SL“ schließlich gerade einmal 50 kg auf die Waage.

Gitterrohrrahmen des Mercedes-Benz Typ 300 SL (Baureihe W 194) aus dem Jahr 1952 mit der Chassisnummer 2 – dem ältesten existierende SL

Markenzeichen: „Gull Wings“ (Möwenflügel)

Über die Konstruktion spannte man eine windschlüpfige Karrosserie aus Aluminium. Eher nebenbei war der Gitterrohrrahmen auch dafür verantwortlich, dass der „SL“ sein Markenzeichen in Form der Flügeltüren bekam. Denn um die Stabilität der Konstruktion zu gewährleisten, musste der Gitterrohrrahmen auch um die Fahrgastzelle herum möglichst hoch und breit fortgeführt werden.

Dies sorgte dafür, dass der Türausschnitt bei den ersten Fahrzeugen oberhalb der Gürtellinie begann und war so klein, dass er bis ins Dach erweitert wurde, um das Einsteigen – eher von oben als von der Seite – halbwegs bequem zu ermöglichen. Die Konstrukteure entschieden sich dabei für nach oben öffnende Türen, die heute so berühmten Flügeltüren. Werden beide Türen geöffnet, so erinnert die Silhouette an die ausgebreiteten Flügel einer Möwe.

Zur Premiere lud Mercedes Benz an die Autobahn

„Sehr geehrte Schriftleitung! Der neue Mercedes-Benz Sportwagen Typ 300 SL (Super-Leicht) wird in dieser Woche erstmalig Versuchsfahrten in der Öffentlichkeit durchführen. Aus diesem Anlass übersenden wir Ihnen anliegend die technischen Daten dieses Fahrzeugs und ein Foto.“

Nach der Premiere auf der Autobahn Stuttgart-Heilbronn, der heutigen A 81, trat Mercedes Anfang Mai 1952 gleich mit drei SL bei der Mille Miglia an. Den Piloten Caracciola, der den Klassiker bereits 1931 am Steuer eines Mercedes-Benz SSKL gewonnen hatte, Lang und Kling gelangen die Plätze zwei (Kling) und vier (Caracciola) – trotz der im Vergleich zu den Wettbewerbern (noch) nicht wirklich konkurrenzfähigen Motorisierung. Im Ferrari 250S der Sieger Giovanni Bracco und Alfonso Rolfo sorgen bereits deutlich mehr als 230 PS für Vortrieb.

Gebaut für den Sport

Doch die strömungsgünstig geformte Karosserie mit einer stark geneigten und gewölbten Windschutzscheibe zeichnete sich durch einen hervorragenden cW-Wert von 0,25 und eine fast winzige Stirnfläche von 1,8 m² aus. Dies glich das Manko der Motorisierung in vielen Fällen aus. Die Rennsaison 1952 verlief außerordentlich erfolgreich. Nach dem Auftakt bei der Mille Miglia folgen Siege beim Preis von Bern für Sportwagen, ein Doppelsieg mit Streckenrekord bei den 24 Stunden von Le Mans sowie ein Vierfachsieg beim Großen Jubiläumspreis am Nürburgring.

Siege, die bis heute vom letzten Rennauftritt 1952 überstrahlt werden. Bei der Carrera Panamericana in Mexiko, einem strapaziösen Langstreckenrennen über 3.111 Kilometer feierte Mercedes mit dem SL einen überragenden Doppelsieg. Nach fünf Tagen und acht Etappen gewannen Karl Kling und Hans Klenk im November 1952 das Rennen – trotz eines Geiers, der durch die Windschutzscheibe flog – vor den Teamkollegen Hermann Lang und Erwin Grupp.

Von der Rennstrecke auf die Straße

Zunächst als reiner Sportwagen konzipiert, entwickelte Mercedes 1953 den SL zu einem Serrienfahrzeug weiter. Verantwortlich dafür war insbesondere der amerikanische Mercedes-Benz Importeur Max Hoffman, der nach den überraschenden Erfolgen der Motorsportsaison 1952 einen Serien „SL“ forderte, um den neu entstandenen „Mythos SL“ für Kunden direkt erfahrbar zu machen.

Mercedes-Benz erhörte seinen Geschäftspartner und stellte im Februar 1954 auf der „International Motor Sports Show“ in New York den 300 SL vor. Wobei, wohl ein Novum in der Geschichte des Automobils, das Serienfahrzeug den Rennwagen in der Leistung übertraf. Denn dank einer Benzineinspritzung hatte man die Leistung des Motors inzwischen auf 215 PS gesteigert. Der „Flügeltürer“ der Baureihe W 198 wurde schnell zu einer Ikone des Automobilbaus, die bis heute als der europäische Traumwagen der 1950er-Jahre gilt.

Nummer 2 lebt

Bei der am 21. März startenden Techno Classica in Essen haben Autofreunde die Gelegenheit zu einem ganz besonderen Rendezvous. Mercedes stellt in Essen den zweiten überhaupt gebauten „SL“ mit der Fahrgestellnummer 194 010 00002/52 aus. Nummer 2 – Nummer 1 wurde noch in den 1950er-Jahren verschrottet – ist seit seiner Fertigstellung ununterbrochen im Werksbesitz und wurde im vergangenen Jahr von Mercedes-Benz Classic aufwendig restauriert.

Mercedes-Benz Typ 300 SL (Baureihe W 194) mit der Chassisnummer 2 nach der Komplettrestaurierung im Mercedes-Benz Classic Center

Dabei griff die Klassiksparte der Stuttgarter auf die umfangreiche technische Dokumentation des Werksarchiv zurück und erhielt die Originalteile so weit wie möglich. „Eine klare Vorgabe bestand darin, die Substanz und Patina des Rennsportwagens zu erhalten. Jetzt erstrahlt der 300 SL in neuem Glanz – und zeigt doch stolz die Spuren seines aufregenden Fahrzeuglebens“, sagt Michael Bock, Leiter von Mercedes-Benz Classic, dazu.

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7 Kommentare

  1. Wie cool ist denn bitte der Flokati auf dem der SL steht???

  2. Quatschkopp

    Wie cool ist bitte der SL !!!!

  3. Was waren das für Zeiten? Als man den Le Mans Sieger 2 Jahre später kaufen konnte?

  4. Ja, das ist wohl heute nicht mehr denkbar.
    1995 gab es im Regen, als die WSC der Übergangssaison ihre Vorteile nicht ausspielen konnten, mit dem McLaren F1 nochmal ein „Serienwagen“ das Rennen der Rennen gewinnen konnte.

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