Ettore Bugatti ist als einer der genialsten Konstrukteure in die Geschichte des Automobils eingegangen. Vor gut 12 Monaten haben wir seinen „Type 13“ ausführlich vorgestellt. Mit diesem kleinen Sportwagen setzte der gebürtige Italiener einst neue Maßstäbe. Doch wussten Sie, dass Bugatti auch für den ersten automobilen Erfolg der Firma Peugeot verantwortlich zeichnete?

Nach der Trennung von der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG in Köln gründete Ettore Bugatti 1909 in Molsheim im Elsass, das damals zum Deutschen Kaiserreich gehörte, seine Firma, die „Automobiles Ettore Bugatti“. Bevor das Kölner Kellerkind, der „Type 13“ zum wichtigsten Produkt der jungen Firma wurde, übernahm Bugatti auch Entwicklungsaufträge anderer Hersteller. Zu den ersten Kunden gehörte Lion-Peugeot. Unter diesem Namen boten Robert, Pierre und Jules Peugeot – die drei Brüder waren Neffen des großen Armand Peugeot – bereits seit 1905 in Konkurrenz zur Firma des Onkels Kleinwagen an.

1911 suchte man – inzwischen gemeinsam mit dem Onkel – kurzfristig einen Nachfolger für den „Peugeot Bébé“ genannten eigenen Kleinwagen des Typs 69. Ettore Bugatti bietet den Franzosen seinen neuesten Prototypen, einen serienreifen Kleinwagen mit der Entwicklungsnummer 19 an. Peugeot und Bugatti werden sich schnell über einen Lizenzvertrag handelseinig, schließlich passt das von Bugatti angebotene Fahrzeug genau in das Lastenheft der Franzosen, die ein „Volks-Auto für schmale Geldbeutel“ anbieten möchten.

Der von Bugatti entworfene „Peugeot BP1“ (Bugatti Peugeot Nummer eins) verfügt über einen 10 PS starken Vierzylinder-Viertaktmotor. Damit ist man im nur 2,62 Meter langen Zweisitzer – für seine Zeit – ziemlich flott unterwegs. Denn der 350 Kilogramm leichte Wagen erreicht eine Spitze von 60 km/h. Genug, um sogar Klassenerfolge bei damals legendären Rennen wie am Mont Ventoux zu erzielen.

Peugeot-Werbung von 1913: Nur einen Sous pro Kilometer

Bei der Konstruktion des Motors griff Bugatti auf bewährte Konzepte zurück. Der nur 855 cm³ große Vierzylinder-Reihenmotor ähnelt mit seinen zwei seitlichen Nockenwellen und der Bohrung von 55 Millimetern dem Motor des Bugatti Typ 10.

Um den Komfort des Fahrzeugs mit seinem kurzen Radstand zu verbessern, befestigte Bugatti die Federn an der hinteren Rahmentraverse und hängte die Hinterachse an den nach vorn gerichteten Federenden auf. Im Innenraum sparte der Konstrukteur, um das Fahrzeug wirtschaftlich fertigen zu können. Der Kleinwagen besaß kein Armaturenbrett, der Tank wurde platzsparend vor der Rückwand untergebracht.

„Nur einen Sous pro Kilometer“ – mit diesem Werbespruch bewerben die Partner das als „Bébé Lion Peugeot BP1“ angebotene Fahrzeug. Die Beziehungen zwischen den Partnern Peugeot und Bugatti entwickeln sich dabei so gut, dass die Zusammenarbeit auf weitere Modellreihen ausgedehnt werden soll. Pläne, deren Realisierung der Erste Weltkrieg verhindert.

Doch bis 1916 verkauft man schließlich mehr als 3.000 Exemplare des „Bébé BP1“, der damit bis heute als der erste für breitere Käuferschichten erschwingliche Kleinwagen gilt. Nebenbei legt man dabei den Grundstein für die Kleinwagentradition der Firma Peugeot, die bis heute für mehr als 20 Millionen Kleinwagen auf den Straßen der Welt gesorgt hat.

 

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Der von Ettore Bugatti entworfene „Peugeot BP1“ (Bugatti Peugeot Nummer eins) Fotos: Peugeot

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