Wir schreiben das Jahr 1986. Die FIA entscheidet, in der Rallye-Weltmeisterschaft zukünftig statt der Gruppe B auf die seriennahe Gruppe A zu setzen. 5.000 identische Fahrzeuge müssen die Hersteller bauen, um in der Gruppe A an den Start gehen zu dürfen. Im Westen entstehen für den Rallye-Sport Fahrzeuge wie der Lancia Delta HF 4WD-Integrale, Audi 200 Quattro, VW Golf GTI 16V oder Mazda 323 4WD. Im Osten gibt es den Trabant 800 RS … Drei Jahre später ist die „DDR“ Geschichte.

Beim Vergleich dieser Fahrzeuge hätte man darauf kommen können, dass der Vorsprung des Sozialismus zumindest im Automobil-Sektor nur eine Parole ist. Doch auch hinter dem Eisernen Vorgang gibt es eine Rallye-Szene. Im „VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau“ entsteht daher der Trabant 800 RS (Rallyesport). Neben einem leistungsgesteigerten Motor verfügte dieser Trabant – als Option – auch über ein 5-Gang-Getriebe und einen 30 Liter großen Zusatztank im Kofferraum. Die Bremsanlage stammt vom größeren Wartburg, da ist man im Ostblock ganz pragmatisch.

Die Verantwortlichen in Zwickau homologieren den Trabant 800 RS tatsächlich zum 1. Juni 1985 in der Gruppe A. Das ermöglicht, den Trabant weltweit im Motorsport einzusetzen. Und obwohl Motorsport seit Anfang der 1970er-Jahre in der „DDR“ nicht mehr zu den besonders geförderten Sportarten zählt, stellen die Verantwortlichen ein kleines WM-Programm auf die Beine. Bei der 1000-Seen-Rallye in Finnland feiert das Werksteam im September 1986 mit dem Trabant 800 RS seine WM-Premiere.

1986 spielen die Gruppe-A-Fahrzeuge in der WM nur die zweite Geige. Doch nach der Katastrophe von Korsika ist klar, dass die Gruppe B keine Zukunft hat. Das VEB Sachsenring darf drei Mannschaften mit dem Plastikbomber nach Finnland entsenden. In der Klasse A0 kämpfen die Trabant auch gegen die Wartburg 353 W aus dem eigenen Land. Dazu treffen sie auf Fahrzeuge wie den Daihatsu Charade oder den Fiat Panda 45.

Zwei Trabant 800 RS erreichen beim Debüt das Ziel

Am besten platziert sind Frank Ficker und Rainer Leonhardt. Sie benötigen für die 389,97 Kilometer Wertungsprüfungen mit dem Trabant 4:53:53 Stunden. Das ist 1:20 Stunde mehr als die Sieger Timo Salonen und Seppo Harjanne im Peugeot 205 Turbo 16 E2 benötigen. Aber in der Klasse reicht das für den dritten Platz. Auf den besten der Wartburg fehlen nur gute drei Minuten. Auf den Klassensieger, einen Daihatsu sind es jedoch schon mehr als acht Minuten. Trotzdem darf das VEB Sachsenring den WM-Auftritt in den nächsten Jahren wiederholen.

Auch 1987, 1988 und sogar 1989 tritt die Werksmannschaft in Finnland erneut mit dem Trabant an. Daneben geht das Team immer wieder bei Rallye-WM-Läufen an den Start. Wobei sich das Team auf Einsätze in Polen, Ungarn, Rumänien und der CSSR beschränkt. Um Gesamtsiege kann der Trabant dabei übrigens nie fahren. Möglich sind nur Achtungserfolge in den kleinen Hubraumklassen. Deshalb gilt der 50. Platz, zu dem Ulrich Weichsel und Kopilot Jens Richter 1987 in Finnland fahren, als der größte Erfolg in der Rallye-Geschichte des Trabant RS 800.

 

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Trabant RS

Trabant RS - Ab 1986 war der Trabant RS in der Gruppe A homologiert. (Foto: Christian Rath)