Weitersehen

Worte am Sonntag – Was war, was ist und was kommt? Wochenrückblick #3-2014

Wochenrückblick Rückspiegel

Was war, ist die wichtigste Frage in meinem Wochenrückblick. Als Auto-Blogger habe ich in der vergangenen Woche über den Atlantik nach Detroit geschaut. Dabei hätte es sich gelohnt, auch nach München zu blicken. Denn dort sorgt die Leserwahl der ADAC Motorwelt – der „Gelbe Engel“ – für einen handfesten Skandal.

Der ADAC ist mit Abstand der größte Verein Deutschlands. Ingesamt mehr als 18 Millionen Bundesbürger sind über einen der 18 Regional-Clubs Mitglied im ADAC. Die Mitgliederzahl sorgt für Einfluss. Entsprechend findet der ADAC in der Politik vergleichsweise leicht Gehör. Und kann für Anzeigen in seiner Mitgliederzeitung ADAC Motorwelt sehr hohe Anzeigenpreise durchsetzten. Schließlich erreicht das Blatt mit einer Auflage von fast 14 Millionen Exemplare die 18 Millionen Mitglieder.

Oder auch nicht!

Denn an der Annahme, die ADAC Mitgliedern würden ihre Motorwelt aufmerksam lesen, gibt es seit dieser Woche erhebliche Zweifel. Die Süddeutsche Zeitung hat am Dienstag berichtet, dass der ADAC bei seiner Leserwahl „Gelber Engel“ die Abstimmungsergebnisse manipuliert hat. Mit dieser Wahl wurde der VW Golf zum „Lieblingsauto der Deutschen“. Stimmen die Zahlen der Süddeutschen mit 3.409 Stimmen. Gemeldet hat der ADAC für seinen Sieger jedoch 34.299 Stimmen.

Der Betrug scheint Methode zu haben. Denn vor zwölf Monaten publizierte der ADAC, dass sich das Votum für die „Gelben Engel“ aus 290.000 Stimmen zusammensetzt. Das hätte rund 1,6% der Mitglieder entsprochen und wäre eine Responsequote, die im Bereich des Üblichen liegt. Je nach Kundenbindung gehen Marketingprofis davon aus, mit einem Gewinnspiel wie einer Leserwahl zwischen einem und drei Prozent der Leser zur Teilnahme bewegen zu können.

Auch die Zahlen 2013 waren schon geschönt. Die Süddeutsche berichtet davon, dass tatsächlich nur 76.000 Stimmen vorlagen. Wenn die von der Süddeutschen publizierten Zahlen stimmen, ist das eine tatsächliche Teilnahmequote von circa 0,4% der Mitglieder. Ein schlechtes Ergebnis, das fast automatisch auch die Frage nach der Nutzung der Zeitschrift ADAC Motorwelt selbst aufwirft.

Möglicherweise wird die Bedeutung der ADAC Motorwelt überschätzt.

Wer sich die mit fast 14 Millionen Exemplaren kostenfrei verteilte Mitgliederzeitschrift ansieht, zweifelt daran schon länger nicht. Denn die Motorwelt ist offensichtlich das Eldorado für Verkäufer von Flusskreuzfahrten und Treppenliften. Nach einer besonders automobilen Zielgruppe, wie sie Auto-Blogger – so viel Selbstlob muss sein – zielgerichtet erreichen, sieht das nicht aus.

Womit die Krise der Printmedien auch den ADAC erreicht und die hohen Anzeigenpreise der ADAC Motorwelt ins Wanken geraten. Interessanterweise ein Aspekt, der sich in der Berichterstattung anderer Medien, insbesondere der Online-Ableger großer Printhäuser, nicht wiederfindet. Da wollen einige wohl nicht an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.

Was wird?

In München verdichtet sich inzwischen der Eindruck, dass es beim ADAC nicht nur etwas Rauch, sondern auch ein kräftiges Feuer gibt. Die „Bild am Sonntag“ berichtet heute davon, dass der „Motorwelt“ Chefredakteur Michael Ramstetter die Manipulationen eingeräumt habe. Ramstetter werde deshalb keine weiteren Aufgaben beim ADAC mehr wahrnehmen. Es wird spannend, wie sein Nachfolger die Motorwelt modernisiert.

Die NAIAS läuft noch bis zum 26. Januar. Das gibt Gelegenheit, um sich auch in unserem Autoblog noch mit dem einen oder anderen Fahrzeug zu beschäftigten. Denn neben dem Toyota FT-1 zeigt auch Volkswagen mit dem Beetle Dune eine Studie, die zu gefallen weiß. Mit dem BMW 2er Coupé und der Mercedes C-Klasse, die ich leider ohne Kamera schon traf, gibt es in Detroit interessante Neuvorstellungen.


Wochenrückblick RückspiegelInfos zum Titelbild:
Unser Wochenrückblick „Worte am Sonntag“ nimmt die zurückliegende Woche in den Rückspiegel.
Unser Wochenrückblick „Worte am Sonntag“ nimmt die zurückliegende Woche in den Rückspiegel.
 

7 Kommentare

  1. Das passende Wort zum Sonntag.

    Und im Bezug auf den ADAC-Skandal hast Du die wichtigsten Fakten genannt. Danke. Jetzt muss ich nicht mehr ;)

  2. Moin Tom,

    Das mit dem ADAC find ich echt daneben, aber nur in PR-technischer Hinsicht. Bin selbst ADAC Mitglied und alleine die Wahl zum Auto des Jahres geht spurlos an mir vorbei bzw. interessiert mich auch nicht.

    Solange die gelben Engel ihre Arbeit machen wenn man Sie braucht, ist mir so ein „Skandal“ recht egal.

    Mfg
    Stefan

    • Ja, denke auch, dass man das trennen muss. Trotzdem beeinträchtigt der Skandal natürlich auch die Glaubwürdigkeit der Gesamtorganisation. Daher finde ich gut, dass der ADAC jetzt so schnell den Weg für einen Neuanfang freigemacht hat.

  3. Hohenstein ,Erich

    möchte gerne wissen warum solche leute dann noch im adac bleiben können wo sie sich den nächsten beschiss ausdenken können . hat der adac sich deshalb aus vielen sachen herausgehalten weil es da vieleicht noch mehr solche falschen urteile ( autobahnvignette für ausländer ) gibt. bei über 1,5 millionen mitglieder staune ich über die zurückhaltung der mitglieder des adac
    MfG e.hohenstein

    • Oskar von Treten

      Was will man von einem Verein erwarten der heute noch seine Gliederungen Gau nennt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.