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Schon mal darüber nachgedacht, was das schlechteste Auto war, das Ihr jemals gefahren habt?

Als ich vor einigen Tagen unter ein paar Vollgas-Experten diese Frage gestellt habe, hatte fast alle sofort eine Antwort parat. Für Lisa The Car Addict war es mit dem Megane ein Renault und für Mario-Roman Lambrecht der Fiat Chroma Turbo, der ihm am Ende völlig weggerostet ist. Fabian Meßner denkt heute noch mit Grauen an die Lkw-artige Schaltung in seinem 2003er Ford Focus Turnier zurück und für Sebastian Bauer war der Citroën C4 der 1. Generation schlicht ein katastrophales Auto.

Road-Tripper Mario Lehmann und Edelfeder Can Struck waren sich einig, dass der Astra, den sie in der Fahrschule gefahren haben, das übelste Auto war, das sie jemals gefahren sind. Und für Thomas Gigold kämpfen mit dem Renault Espace und dem Renault Scenic, die Thomas einst besessen hat, zwei Franzosen um diesen Titel seines schlechtesten Autos.

Meine Antwort: 1993er Ford Mondeo

Auch ich muss über die Frage, welche Auto das schlechteste Auto sei, das ich jemals gefahren bin, nicht lange nachdenken. Es ist eindeutig der 1993er Ford Mondeo, den ich während meiner Zeit beim Telefonanlagen- und Geräte-Hersteller Hagenuk, wo ich damals als Werkstudent mein Studentenbudget aufbesserte, fahren durfte. Dieser Mondeo, eigentlich eine typische Vertreterhure, die Land auf, Land ab von den Außendienst-Mitarbeitern großer Firmen durch das Land getreten wurde, offenbarte als Neuwagen unglaubliche Qualitätsmängel.

Ford Mondeo 1993er

Sogar die Farbe stimmt, so einen 1993er Ford Mondeo überführte ich für Hagenuk von Kiel nach München. (Foto: Rudolf Stricker)

Bereits mit Anfang 20 war ich ein totaler „Auto Native“. Irgendwann im Sommer 93 fragte mich bei Hagenuk mein damaliger Chef, ob ich Lust und Zeit habe, einen neuen Mondeo nach München zu überführen, wo ein Außendienstkollege auf seinen neuen Dienstwagen warten würde. Natürlich habe ich sofort zugesagt. Es lockten mindestens 1.000 Kilometer und ein damals gerade frisch vorgestelltes Fahrzeug.

Von Kiel sollte ich den Mondeo irgendwo hinter München abliefern und dann mit dem Flugzeug zurückfliegen. Da der eigentlich bestellte Mondeo sich verspäten würde, hatte Ford einen Vorführwagen zur Verfügung gestellt. Diesen sollte der Außendienstkollege nutzen, bis sein eigentlich bestelltes Fahrzeug geliefert werden würde.

Ich lernte ein richtig schlechtes Auto kennen

Als ich den Mondeo im Kieler Hagenuk Werk übernahm, hatte dieser vielleicht 2.000 oder 3.000 Kilometer auf der Uhr. Vereinbart war, dass ich den Mondeo über das Wochenende mit nach Hause nehmen dürfte, um diesen dann am Montag in Bayern auszuliefern. Doch der erste Versuch, die Reise aufzunehmen, scheiterte bereits wenige Minuten nach Übernahme des Mondeo.

Ich wollte in der Kieler Innenstadt an einer großen Kreuzung links abbiegen. Da gerade kein Gegenverkehr zu sehen war, rollte ich mit der üblichen Stadtgeschwindigkeit direkt über die Kreuzung. Das Einlenken beantwortete der Mondeo nicht nur mit dem erwarteten Richtungswechsel und sondern auch einem lauten Geräusch.

Ein Geräusch, das ich zunächst nicht sofort richtig zuordnen konnte. Erst als ich nach rechts sah, sah ich im rechten Teil der Frontscheibe einen großen Riss. Alles auf Anfang, die Reise nach München musste warten. Zurück im Hagenuk-Werk entschieden wir, dass vor einer Fahrt nach München zunächst die Frontscheibe ersetzt werden müsse.

Tanken wird doch völlig überbewertet

Eine Woche später machte ich mich dann doch noch auf die Reise. Ausliefern sollte ich den Mondeo irgendwo in der Nähe von Rosenheim. Kaum hatte ich die A8 verlassen, da benötigte der Ford neuen Kraftstoff. Nach der Betätigung des vor dem Fahrersitz angebrachten Hebels zum Öffnen der Tankklappe passierte nichts – zumindest nichts Sichtbares. Das sah ich natürlich erst, nachdem ich einmal ums Auto herumgerannt war. Auch bei den nächsten Versuchen blieb die Tankklappe verschlossen, so sehr ich auch am leichtgängigen Hebel zog.

Da Kraftstoff für das weitere Fortkommen eine unersetzbare Voraussetzung war, zog ich das Handbuch zurate. Es erhielt immerhin einen Hinweis, dass man die Tankklappe im Notfall auch vom Kofferraum aus öffnen könnte. Rechts in der Kofferraumverkleidung sei dazu eine Gummistrippe. Offensichtlich hatte Ford erwartet, dass die Fernbedienung nicht das Optimale sei.

In der Tat, im Kofferraum fand ich den Notöffner. Doch als ich an diesem zog, hatte ich diesen in der Hand, während die Tankklappe weiter den Zugang zum Einfüllstutzen versperrte. Langsam machte sich eine gewisse Verzweiflung breit. Ich überlegte schon, wo ich dem Mondeo – wie einst einem Pferd im Wilden Westen – den Gnadenschuss setzten könne. Doch dann gelang es mir doch noch, tief mit dem Finger in der Öffnung, aus der ich eben den klasse funktionierenden und konstruierten Notfallöffner gezogen hatte, grabend, die Tankklappe zu öffnen.

Ich konnte die Reise doch fortsetzen und war froh, als das Kapitel Mondeo wenige Kilometer für mich endete – zunächst. Denn als gut einen Monat später endlich der eigentlich bestellte Mondeo des Kollegen in Kiel eintraf, ermunterte mich mein Chef erneut zu einer Tour nach Bayern. Diesmal machte ich mich gemeinsam mit Christian, der heute hier Fotos macht, auf die Reise.

Einer geht noch …

Schon beim ersten Tankstopp zeigte sich, dass auch der Außendienst-Kollege die Tankklappe wohl über den Kofferraum geöffnet hatte. Denn die ehemals kleine Öffnung, aus der ich einige Wochen zuvor den Notfallöffner gezogen hatte, hatte sich zu einem fast faustgroßen Loch geweitet. Damit ging das Tanken nun vergleichsweise leicht von der Hand. Zudem hatte die Zentralverriegelung zwischenzeitlich den Dienst eingestellt.

Als ich den Mondeo nach insgesamt etwas mehr als 3.000 Kilometern, die ich ihn bewegt hatte, wieder zurückgab, stand für mich fest, dass dieser Ford Mondeo der absolute automobile Albtraum sein müsse. Dabei ist es für mich bis heute geblieben, für mich war der Ford Mondeo bis heute das schlechteste Auto geblieben, das ich gefahren bin.

Und nun bin ich gespannt, was Euer schlimmstes Auto war und freue mich auf Eure Kommentare.

 

8 Kommentare

  1. Mein „Favorit“ Toyota Tercel 4WD mit 4 Liter Ölverbrauch auf 1000 Kilometer

  2. Was erzählt Ihr hier überhaupt für einen Schwachsinn !!!

    • Mit Verlaub lieber Leser, dieser Bericht basiert auf dem Erlebten. Der 1994er Mondeo war mit Abstand das schlechteste Auto, das ich jemals hatte. Möglicherweise deckt sich das nicht mit Ihren Erfahrungen. Aber statt hier ausfallend zu werden, teilen Sie uns doch Ihre eigenen Erfahrungen mit und beantworten die Frage, die der Artikel stellt. Vielen Dank!

  3. Interessanter Bericht, gerade weil wir einen typischen Vertretermondeo für gut zwei Jahre in der Familie hatten. Selbst noch ohne Führerschein, beschränkt sich meine Erfahrung auf Mitfahrt und Beobachtung.
    Wir hatten den lethargischen 1.8 Turbodiesel, welchen ich einige Jahre später selbst in einem Escort erfahren durfte. Im Vergleich zum Sierra 2.0 DOHC, war dieser Motor schwachbrüstig und mit einer ordentlichen Anfahrtsschwäche nicht repräsentativ für den wenige Jahre später beginnenden Dieselhype. Mit Ausnahme von Audi 100 C4 TDI und E34 525 Tds, war Anfang der 90er das interessante und bezahlbare Angebot überschaubar.
    Der Mondeo allerdings verrichte 180.000 Km weitgehend störfrei seinen Dienst.

    Meine schlechtestes Autos waren zum einen ein Opel Omega B 2.0 16V und zum anderen ein Ford Probe 2.2 Turbo.
    Der Omega bescherte mir innerhalb von 12 Monate fast jeden Monat einen Werkstattaufenthalt wegen z.B. defekter Lima, Krümmer, Flexrohr, Radlager, Ölverlust (nie ganz beseitigt). Der Probe hatte in 2 Monaten einen Turboladerschaden und einen hydraulischen Kupplungsdefekt zu verzeichnen.
    Beide Fahrzeuge waren allerdings gebraucht, auch wenn die Kilometerstände kaum sechsstellig waren.

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