Beim Stichwort VesKanda müssen selbst Experten passen. Denn der Gruppe C Sportwagen wurde 1985 in Australien gebaut. Das hat nicht sofort jeder auf dem Schirm.

Ich gebe es offen zu! Als Johannes Hübner mich am vergangenen Wochenende bei der Übergabe nach meinem Einsatz in der Sprecherkabine des Nürburgrings auf den VesKanda hinwies, kannte ich den Gruppe C Sportwagen noch nicht.

Von 1969 bis 1987 war die „Australian Sports Car Championship“ die Königsklasse des Motorsports auf dem fünften Kontinent. Dann wurde der VesKanda Chevrolet zum Totengräber der Meisterschaft. Anfang der 1980er-Jahre wurden in dieser Meisterschaft „Alltagsware“ wie der Porsche 930 Turbo und heimische Produkte eingesetzt. Die „Confederation of Australian Motor Sport“ hatte mit den „Group A Sports Cars“ ein eigenes Reglement für Sportprototypen verfasst.

Auf dieser Grundlage bauten die heimischen Konstrukteure von Rennmax, Elfin oder Kaditcha ihre Sportwagen. Wer die Bilder dieser Rennwagen heute sieht, fühlt sich an die CanAm-Boliden der frühen 1970er-Jahre erinnert. Daran änderte sich auch nach Einführung der Gruppe C zunächst nichts. Bis 1984 die Sportwagen-Weltmeisterschaft beim „Sandown 1000“ einen Zwischenstopp in Australien einlegte.

VesKanda Chevrolet
VesKanda Chevrolet – ein typischer Gruppe C

Die „Ground effect Rennwagen“ der Weltmeisterschaft weckten das Interesse einheimischen Rennwagenbauer. Teamchef Bernie van Elsen fasste den Entschluss, einen eigenen Gruppe C Sportwagen zu bauen. In der Firma K&A Engineering aus der Grand Prix Stadt Adelaide fand van Elsen einen geeigneten Partner, der sich das Abenteuer eines Bodeneffekt-Rennwagens zutraute.

Um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen, erstand van Elsen bei Lola einen F5000-Rennwagen. Der Chevrolet V8-Motor, das Getriebe und die Fahrwerksteile des Monopostos kombinierten die Entwickler Dale Koennecke and Harry Aust mit einem selbst konstruierten Aluminium-Monocoque-Chassis.

Wie beim 962 packten die Ingenieure die Füsse des Fahrers hinter die Vorderachse. Mit einem speziellen Unterboden und einem Diffusor im Heck verfügt auch der VesKanda getaufte Rennwagen über einen Bodeneffekt, der den Sportwagen förmlich auf die Strasse saugt.

Schon beim Debüt in Juni 1985 in der australischen Sportwagen-Meisterschaft war der VesKanda konkurrenzfähig. 1986 und 1987 dominierte Pilot John Bowe mit dem VesKanda dann die australische Sportwagen-Szene. Wenn der VesKanda ins Ziel kam, dann auf Platz ein. Das zerstörte die Szene. Die Meisterschaft 1987 wurde vorzeitig abgebrochen, weil sich zu wenige Gegner dem Wettkampf mit dem VesKanda stellen möchten. Dem Rennwagen drohte ein frühes Ende.

Comeback im Sandown Park

Doch Ende 1988 kehrte die Elite der Weltmeisterschaft nach Australien zurück. Das Team versetzte den VesKanda in den Einsatzzustand. Für den Wettbewerb mit der Weltspitze verpflanzte die Mannschaft einen Sechslitermotor in das Heck des Rennwagens, um noch etwas Mehrleistung zu mobilisieren.

VesKanda Chevrolet
Der VesKanda Chevrolet beim Vorstart zum ADAC Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal.

Mit einem achten Startplatz machte der inzwischen drei Jahre alte Rennwagen im Feld der 18 Rennwagen gar keine schlechte Figur. Das Rennen führte über eine Distanz von 360 Kilometern. Die Sieger Jean-Louis Schlesser und Jochen Mass im Sauber C9 überrundeten den VesKanda gleich sechsmal.

Im Renntrimm erwies sich der australische Rennwagen als der langsamste Rennwagen der Topkategorie C1. Hinter zwei Rennwagen der Kategorie C2 belegte der VesKanda im Ziel Platz acht. Doch im Anschluss an das Rennen wurde das Team disqualifiziert. Der Chevrolet-Motor hatte zu viel Benzin benötigt.

Anschließen verschwand der VesKanda für fast 25 Jahre im Abstellraum. Zur Saison 2012 restaurierte K&A Engineering den Rennwagen. Seit einem Jahr fährt der Australier den Paul Stubber den VesKanda regelmäßig bei ausgewählten Veranstaltungen des historischen Motorsports.

 

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VesKanda Chevrolet

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