Aktuell ist viel von Gerüchten zu lesen, dass Volkswagen den Passat einstellt. Angesichts der Tatsache, dass der Passat mit Stand Ende Oktober der Marktführer in der Mittelklasse ist, halte ich das für Quatsch. Denn für den Passat gibt es einen Markt. Auch wenn die Zahlen beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) mit Vorsicht zu lesen sind. Denn für das KBA ist Audi ein Hybrid-Trendsetter.

Das Stöbern in den Statistiken des Kraftfahrtbundesamts (KBA) ist ein interessanter Zeitvertreib. Denn in diesen Auswertungen ist jeden Monat öffentlich nachvollziehbar, wie viele Exemplare einer bestimmten Baureihe neu auf unseren Straßen unterwegs sind. Doch nicht nur das. Denn im Rahmen ihre Datenerhebung werten die Statistiker der Flensburger Behörde vieles Weiteres aus. Mehr dazu findet ihr in meinem Blog-Beitrag „Wie schnell ist das Durchschnittsauto?

Die Zahlen zeigen, warum Volkswagen den Passat nicht einstellt!

Diesmal wollte ich beim KBA wissen, wie viele Passat Volkswagen noch auf die Straße bringt. Denn in den letzten Tagen war in einigen Medien vom Ende der Passat-Baureihe die Rede. Ich denke, dass diese Meldungen grober Unfug sind. Bis Ende Oktober brachte Volkswagen in diesem Jahr mehr als 60.000 neue Passat auf die Straße. Damit ist der Passat viel zu erfolgreich, um als Baureihe in den Ruhestand zu gehen.

Der Passat ist bei VW nach dem Golf (180.000) und dem Tiguan (66.000) Dritter der internen Charts. Die meisten anderen Hersteller wären froh, wenn sie ein Auto im Programm hätten, das in Deutschland solche Stückzahlen bringt. Zumal sich der Passat dabei auch noch in seiner Fahrzeug-Klasse gut schlägt. Das Kraftfahrtbundesamt ordnet den Passat der sogenannten Mittelklasse zu.

Mit mehr als 60.000 Exemplaren ist der Passat bisher in diesem Jahr der Marktführer dieser Fahrzeugklasse! Fast 19 Prozent aller Fahrzeuge in der Mittelklasse sind ein Passat. Auf dem zweiten Platz folgt die C-Klasse von Mercedes. Doch der Abstand ist groß. Denn die Verkäufer bei den Volkswagen-Händlern verkauften bisher fast 9.000 Exemplare mehr als ihre Kollegen bei Mercedes. Dem Audi A4 auf dem dritten Platz ist der Passat gut 12.000 Exemplare voraus.

Natürlich sagen die Zahlen nichts über die Zukunft aus. Sie beschreiben die Gegenwart. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass Volkswagen den Passat einstellt. Mit fast 80 Prozent entfällt ein Großteil der Neuzulassungen des Passat auf gewerbliche Halter. In den Fuhrparks der Firmen spielt der Passat traditionell bei Vertretern oder auf der Ebene der Team-Leiter eine große Rolle. Denn in Unternehmen gibt es beim Auto oft klare Hierarchien.

Der VW Passat passt perfekt in diese klaren Hierarchien!

Denn in Deutschland ordern Vorstände oder Geschäftsführer ein Auto der Oberklasse. Der Volkswagen-Konzern bedient diese Gruppe mit dem A8 der Konzerntochter Audi. Für Prokuristen oder Bereichsleiter gibt es ebenfalls in Ingolstadt den Audi A6, der in der sogenannten oberen Mittelklasse zu Hause ist. Darunter spricht der Mittelklasse Passat die Abteilungs-Leiter (sowie natürlich erfolgreiche Außendienstler) an. Das wird sich in Deutschland nicht so schnell ändern.

Denn die Fuhrparks sind ein Marktsegment, in dem SUV kaum eine Rolle spielen. Schließlich achten die Fuhrpark-Verantwortlichen in der Regel auf den Flottenverbrauch ihres Hauses. Eine Senkung dieser Maßzahl macht sich gut im Konzern-Umweltbericht. Gewicht und Luftwiderstand sprechen da eindeutig gegen den SUV. Die Tatsache, dass beispielsweise beim VW Tiguan nur bei knapp der Hälfte der Halter eine Firma im Fahrzeugschein steht, belegt diese These.

Trotzdem muss der Passat hybrider werden!

Unabhängig von den nackten Zulassungszahlen offenbaren die Statistiken des KBA, was dem aktuellen Passat fehlt. Denn als ich zum Vergleich gucke, wie sich der neue Audi A6 im Markt schlägt, bin ich überrascht. Unter den 2.164 neuen A6, die im Oktober erstmals ein Kennzeichen erhielten, waren laut Kraftfahrtbundesamt 1.961 Hybridfahrzeuge. Das überrascht, weil es im A6 kleinen klassischen Hybrid gibt.

Die Volkswagen-Tochter Audi stattet ihr Modell der oberen Mittelklasse mit einem Mild-Hybrid-System (MHEV für mild hybrid electric vehicle) aus. Dieses kombiniert einen Riemen-Starter-Generator (RSG) mit einer Lithium-Ionen-Batterie und einem 48-Volt-Bordnetz. Damit kann der A6 zwar nicht elektrisch fahren, aber seine Verbrenner elektrisch unterstützen. Die Techniker nennen das „boosten“. Dabei stellt der Elektromotor bis zu 14 kW-Antriebsleistung zur Verfügung.

Wobei das System beim Verzögern Strom mit bis zu zwölf kW Rekuperationsleistung erzeugt. Das vom Zulieferer Continentale gelieferte MHEV-System des A6 senkt im realen Fahrbetrieb den Kraftstoffverbrauch um bis zu 0,7 Liter pro 100 Kilometer. Die Tatsache, dass das Kraftfahrtbundesamt die MHEV-Fahrzeuge als Hybridfahrzeuge zählt, hat mich überrascht. Volkswagen wird es freuen, denn für das KBA ist die VW-Tochter Audi ein Hybrid-Trendsetter.

Wer hinter die Zahlen schaut, der entdeckt schnell, dass das (leider) nicht der Fall ist. Womit wir zurück bei den Meldungen zur vermuteten Einstellung des VW Passat sind. Denn die sind meiner Meinung nach genauso falsch, wie die Annahme, Audi sei im Hybrid-Geschäft aus dem Nichts heraus zu einem der Marktführer aufgestiegen. Auslöser der Berichte ist die für 2022/23 geplante Neuausrichtung des VW-Werks in Emden.


Passat-Geschichte im Überblick

  • Passat B1 (1973 bis 1980) – Typ 32 war die Fließheckversion des Audi 80 mit Längsmotor
  • Passat B2 (1980 bis 1988) – Typ 32b / Weiterentwicklung des B1 mit Längsmotor
  • Passat B3 (1988 bis 1993) – Typ 312 / 315 mit Quermotoren
  • Passat B4 (1993 bis 1997) – Typ 3A / Weiterentwicklung des B3 mit Quermotoren
  • Passat B5 (1996 bis 2005) – Plattform PL45 (Audi A4 B5) mit Längsmotoren
  • Passat B6 (2005 bis 2010) und B7 (2010 bis 2014) – Plattform PQ35 (Golf V) mit Quermotoren
  • Passat B8 seit 2014 – MQB mit Quermotoren

Seit 1977 ist Emden die Heimat des Passat. In Zukunft will Volkswagen in der Stadt am Meer ein elektrisches Einstiegsmodell in Polo-Größe bauen. In der Vergangenheit teilte sich der Passat seine Technik immer wieder mit Mittelklasse von Audi. Solange sich der Passat mit seinen Längsmotoren grundlegend von allen anderen Volkswagen unterschied, war eine eigene Fertigung fast zwingend notwendig.

Doch der aktuelle – und sicher auch zukünftige – Passat basier auf dem Modularen Querbaukasten (MBQ). Damit kann Volkswagen den Passat einfacher als früher parallel mit andren Modellen bauen. Das macht den Weg frei für einen Passat aus Wolfsburg oder Kvasiny, wo bereits der Passat-Cousin Skoda Superb entsteht.

 

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