Der spanische Autobauer SEAT berichtet gestern in einer Pressemitteilung vom ersten SEAT Arona in einer Fahrschule. Das bringt mich auf die Idee zu fragen, was für ein Auto seit Ihr eigentlich in der Fahrschule gefahren?

Ich muss bei der Antwort auf diese Frage etwas weiter ausholen. Als ich mich in einer Fahrschule auf die Führerscheinprüfung vorbereitete, war ich mit einem VW Golf GTD unterwegs. Doch das war nicht das Auto, mit dem ich das Fahren lernte. Denn mein Großvater, von dem ich hier im Blog schon öfter erzählte, hatte in Kiel und Umgebung einige Fahrschulen. Deshalb spielen die Fahrschulautos in meinem Auto-Leben natürlich eine wichtige Rolle.

Die letzten Autos, an die ich mich in Opas Fahrschulen erinnere, waren VW Golf der ersten Generation. Gut erinnere ich mich auch noch an die (letzten) VW Käfer, die mein Opa als Fahrschulwagen einsetzte. 1975/76 verkaufte mein Großvater sein Unternehmen, um sich zur Ruhe zu setzen. Ich lernte damals gerade das ABC in der ersten Klasse der Grundschule. Deshalb war ans Autofahren (eigentlich) noch nicht zu denken.

Meine frühkindliche Prägung im VW Käfer!

Trotzdem hatte ich damals schon einige „Fahrpraxis“. Denn Opa konnte den VW Käfer vollständig vom Beifahrersitz aus fahren. Nach dem Absetzen eines Fahrschülers ist Opa gern auf dem Beifahrersitz sitzen geblieben, um den Käfer von dort nach Hause zu steuern. Das machte mich als kleinen Jungen manchmal zum „Autofahrer“. Denn wenn meine Großmutter auf mich aufpasste, durfte ich manchmal vor der Einfahrt zum Grundstück warteten.

Opa stoppte den Käfer dann ein paar Meter vor dem Grundstück, öffnete die Fahrertür und lies einsteigen. Den Rest des Weges durfte ich dann auf dem Fahrersitz sitzen. Auch wenn der restliche Weg keine 100 Meter lang war, war für mich waren diese „Fahrstunden“, wie wir es nannten, ein großartiges Erlebnis. Vermutlich sind sie auch der Grund, warum ich mich bis heute mit Autos beschäftige.

Pedalierie im Fahrschulauto
Die Pedalierie des Fahrlehrers (Foto SEAT)

Später lies mich dann mein Großvater das erste Mal richtig am Steuer eines Autos Platz nehmen. Ich war 15 Jahre alt und in dieser Zeit mit einem Mofa im Straßenverkehr unterwegs. Opa hatte sich um den Kombi meiner Mutter gekümmert, dessen Zündung Mucken machte. Nach dem Einstellen der Zündung machten wir eine Probefahrt. Gut einen Kilometer, bevor wir wieder zu Hause waren, stoppte Opa und fragte, ob ich schon mal gefahren sei.

War ich nicht, doch das änderte sich in diesem Moment!

Beim ersten Anfahren hoppelte das Auto mehr als es fuhr durch das kleine Dorf, wo meine Großeltern lebten. Mitte der 1980er-Jahre waren dort die Wege zum Teil noch nicht einmal durchgängig asphaltiert. Vermutlich war ich dort sogar ein automobiler Spätentwickler. Schließlich lebten Klassenkameraden auf Bauerhöfen und waren regelmäßig mit den Traktoren ihrer Väter unterwegs.

Jetzt gehörte ich endlich auch zu den „Autofahrern“. Um das Anfahren zu lernen, fuhr ich unter der Anleitung meines Großvaters immer nur gut zehn Meter vorwärts. Dann stoppte ich, um erneut anzufahren. Nach ein paar Versuchen klappte das Anfahren endlich. Opa erweiterte das Programm und lies mich nun auch rückwärtsfahren. Als auch das klappte, quittierte mein Opa die „Fahrstunde“ mit einem Trockenen „Das hätten wir.“

In den kommenden Monaten übten wir von Zeit zu Zeit. Mit 17 Jahren durfte ich dann mit Opa auf den Verkehrsübungsplatz. Dort lernte ich am Steuer eines Mercedes 300D mit 5-Zylinder-Motor das 1×1 des Autofahren. Insofern gab es in der Fahrschule im VW Golf GTD dann nur noch den Feinschliff. In der Fahrprüfung wäre ich trotzdem fast durchgefallen. Dem Prüfer gefiel nicht, dass ich beim Runterschalten den Motor mit Zwischengasstößen auf Drehzahl hielt.

Was ist heute eigentlich das typische Fahrschulauto?

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre, als ich meinen Führerschein machte, hatten – zumindest in meiner Heimatstadt Kiel – fast alle Fahrschulen den VW Golf II im Einsatz. Andere Marken gab es, meiner Erinnerung nach, damals in Fahrschulen praktisch nicht. Heute ist das anders. Denn auf den Straßen gibt es inzwischen Fahrschulautos aller möglichen Marken. Als ich kürzlich in Barcelona war, fielen mir unzählige Fahrschulen auf, die den Mini von BMW einsetzen.

SEAT Arona als Fahrschulauto
Der erste SEAT Arona nach dem Umbau zum Fahrschulauto (Foto: SEAT)

Hier im Ruhrgebiet setzen viele Fahrschulen auf die A-Klasse von Mercedes-Benz. Auch der VW Tiguan kommt hier gern als Fahrschulauto zum Einsatz. Die Fahrschule, in der mein Sohn Max seine Pflichtstunden absolvierte, vertraut auf Hyundai. Im unterfränkischen Rottendorf im Landkreis Schweinfurt setzt jetzt erstmals eine Fahrschule auf den SEAT Arona. Als ich davon in einer Pressemitteilung lese, wird mir wieder einmal der „Fortschritt“ unser Autos klar.

Der Umbau zum Fahrschulauto ist komplex

Denn zu Großvaters-Zeiten war der Umbau vom Serien- zum Fahrschulauto eine simple Sache. Ein mechanisches Gestänge verband die Pedalerie des Fahrlehrers mit den normalen Pedalen des Autos. Dazu gab es für die Prüfungsfahrten einen Summer, der im Fall der Fälle das Eingreifen des Fahrlehrers signalisierte. Den Summer aktivierte ein mechanischer Schalter. Meinst erledigten den Umbau die Autohändler bei der Auslieferung des Fahrschulautos.

Heute übernehmen Spezialfirmen den Umbau. Denn die umfangreiche Elektronik und die hohe „Packdichte“ der modernen Autos erfordert viel Know-how. Im Fall des ersten SEAT Arona in einer Fahrschule übernahm INTAX aus Oldenburg die Umrüstung. SEAT spricht davon, dass das norddeutsche Unternehmen dabei als verlängerter Arm der SEAT-Serienfertigung agierte, um den kompakten SUV auf seinen Einsatz im Fahrschulalltag vorzubereiten.

SEAT sieht im Fahrschuleinsatz des Arona auch eine Marketingmaßnahme. SEAT Deutschland Geschäftsführer Bernhard Bauer sagt dazu: „Wir sind die Marke mit der jüngsten Zielgruppe und der SEAT Arona ist unser neuestes Modell auf dem Markt – da passt es natürlich ganz hervorragend, dass schon die allerjüngsten Fahrer ihre ersten Meter in einem SEAT zurücklegen. Das Fahrzeug, in dem man erstmals selber am Steuer sitzt, vergisst man schließlich nie.“

Das stimmt, wie meine Geschichte beweist. Und genau deshalb bin ich gespannt, was Ihr für Geschichten erzählen könnt. Was war eigentlich Euer Fahrschulauto? Und wo seit Ihr die ersten Meter gefahren?

 

1300ccm.de - Auto-Blog für Auto-Natives ist auch bei Facebook. Wir freuen und über ein Like.




Infos zum Titelbild des Beitrags in diesem Auto-Blog:

Innenraum eines SEAT Arona, der zum Fahrschulauto umgebaut wurde.

Foto: SEAT